Das erste Jahr ohne Krebs / The first year without cancer

img_96332015 war das erste Jahr ohne Krebs für mich. Anfang des Jahres kam die Bestrahlung, dann starb meine Freundin Kerstin an Brustkrebs. Es folgten noch weitere 2 Beerdigungen für mich dieses Jahr. Und jedes Mal dachte ich „das hättest auch du sein können“.  Meine Psyche bekam einen ordentlichen Knacks ab nachdem die Therapien beendet waren, ich fiel erst später in ein tiefes Loch. Im Mai flogen wir nach Lissabon zum Junggesellinneabschied für ein langes Wochenende. Unvergesslich und doch war es zu stressig für mich. Eine Gürtelrose an meiner Brustnarbe war das Ergebnis dieser Reise. Im Sommer dann endlich ein Lichtblick, meine Freundin heiratete ihren Liebsten und danach fuhr ich zur Reha nach Usedom wo ich mich 3 Wochen lang betüddeln ließ. Es tat gut nur für mich zu sein, andere Menschen zu treffen die Verständnis hatten, weil auch sie von einer Krankheit geplagt wurden.

Verständnis, das ist etwas was viele nicht haben. „In so jungen Jahren steckt man doch so eine Krankheit besser weg als im Alter.“ Vielleicht körperlich, aber psychisch eher nicht. Als junger Mensch hast du noch so vieles vor. Familie, Karriere, Hochzeit, Kinder, Reisen, die Welt kennenlernen und mit einem Menschen den du liebst ein glückliches Leben zu haben. Und auf einmal ist davon alles erstmal weg.

Es gab viele die sich immer wieder gerne einmischten in die ganze Sache ohne überhaupt zu wissen was wirklich passiert war. Ich blieb oft allein zurück. Es war ja meine Krankheit.

Im August schrieb ich Bewerbungen, eine liebe Nachbarin half mir die Bewerbungsfotos zu machen, jemand anderes ging mit mir meinen Lebenslauf durch und gab mir Tipps. Und es klappte. Im September fing ich meinen Job als Assistentin im Projektmanagement in einer Internetfirma an. Der Kunde, den wir betreuen, ein großer Pharmakonzern. Besser hätte es nicht laufen können. Ich liebe meinen Job und meine Kollegen sind absolut spitze. Wie ein 6 im Lotto. Die ersten zwei Monate waren dennoch anstrengend für mich. Ich arbeitete 6 Stunden am Tag, hatte also keine Wiedereingliederung. Nach 1,5 Jahren zuhause sein, Chemotherapie, Bestrahlung, 2 OPs, 1 Reha, eine angeknackste Psyche und und und war das alles doch recht anstrengend für mich. Das Wochenende brauchte ich dringend. Donnerstags liefen die Akkus leer und Freitag war mehr schlecht als recht im Büro. Mein Gedächtnis, das anfangs wie ein Sieb war, verbesserte sich auch wieder. Aber auch das schaffte ich. Ich denke das lag auch viel am Verständnis meines Arbeitgebers und meiner Kollegen. Es gibt noch mehrere Personen im Unternehmen die eine Behinderung haben und auch das tut gut. Ich bin nicht allein, nicht mehr.

 

 Ende des Jahres mischten sich wieder viele Menschen in meine Angelegenheiten ein. Diese Verletztungen belasten die Psyche und machen auf kurz oder lang krank. Das Verständnis fehlt einfach. Ich bekam mit wie über eine andere kranke Person gesprochen wurde „Ja die macht gerade nur 4 Stunden Wiedereingliederung, die ist total kaputt danach. Wie kann denn so was sein? Das ist doch nicht normal bei nur 4 Stunden!“ Wenn man eine tödliche Krankheit hat dann ist so was schon sehr normal und bei jedem sind die Auswirkungen anders. Alle über einen Kamm zu scheren geht hier nicht, ist unfair, unmenschlich und ist auch oft menschenunwürdig.

Ich stehe hier nun drüber und wenn es mir jetzt schlecht geht, dann denke ich nun“hey die Chemo war die ersten Tage auch total scheiße, aber dann ging es wieder bergauf…“ Ich lebe also mein eigenes Lebensmotto, ich bin mein eigenes Idol und ich hole mich selbst immer wieder aus allem heraus, wenn es kein anderer tut und andere noch mehr draufhauen.

img_96222015 war hart, lehrreich, gezeichnet von Liebe, Glück, Tod, Schmerzen. Loslassen und das eigene Leben so gut wie möglich leben, sich selbst glücklich machen, wenn es kein anderer tut. Bis jetzt ist der Krebs nicht zurück und ich hoffe auch, dass die Untersuchung im Januar auch nichts zeigen wird. Für jeden einzelnen Moment bin ich dankbar, ob gut oder schlecht, denn das macht mich nur noch stärker und selbstbewusster. Jeder Mensch der für mich da war, mich unterstützt und geliebt hat, danke ich von Herzen. Und wenn der Krebs mich nicht getötet hat, dann wird es sonst auch niemand anderes tun.

 

Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr, viel Freude mit euren Lieben und ganz viel Glück im Neuen Jahr. Danke für 2015, 2016 kann kommen. Schöner, besser, glücklicher, für jeden von uns.

Alle Fotos sind in Zusammenarbeit mit Patricia Schumann entstanden.


img_96332015 was the first year without cancer for me. At the beginning of the year I got my radiotherapy, then my soulmate Kerstin died because of breastcancer. 2 more funerals followed and every time I thought „This could have been me.“ I waled this way on my own, as always. My psyche was pretty messed up after all these therapies and I fell into a big hole. In May we went to Lisboa for a hen do which was amazing but because it was so stressful I got sick afterwards. Finally in summer the first good vibes. My lovely married her best friend and then I went to rehab for 3 weeks.  I was looked after so well and it felt good that finally I met peopke that had an understanding for the way I felt because everyone there had to deal with an illness.

Not many people have an understanding for what others go through and they don’t even want to hear it. „When you are young it is so much easier to get through a disease like that…“ Well maby physically but not mentally. You have so many things you want to do as a young person. Family, career, kids, wedding, getting to know the world and to be happy with the person you love. And all of the sudden it’s all gone.

There were always people who tried to tell me what to do and who put their noses into my business even without knowing what was really going on. Because it was my disease.

In August I started writing applications for jobs, a lovely neighbour helped me taking good pictures, someone else helped me with my CV. And yes it worked. I finally started my job as an assistent in project management in an internet company. Our customer, a big pharma company. It couldn’t have worked out better for me. I absolutely love my job. It felt like winning the lottery. The first 2 months were quite hard for me because I hadn’t worked for more than 1 1/2 years, I had chemo therapy, radiotherapy, a mastectomy and my psche was fucked. I totally needed the weekend to get a rest. My battery went low on Thursday and Friday was more bad than good in the office. But I even managed to get through that. I think that was also because of the understanding of my bosses and my colleagues. And we even have a few other „disabled“ people in the company. That makes it easier for me because I am not alone anymore.

img_9651-1By the end of the year some people tried to interfere again. I guess that’s because of the region I live in and where I moved to because of the love to my boyfriend. I was like a colourful bird in a grey old movie and soon people started talking bad about me. A lot of times they do not have an understaning of others and don’t even want to understand others. They have their opinion and that’s it. Once I could hear them talking about someone who was sick and just started work again. „She only works 4 hours per day and is totall exhausted, I don’t get it, it’s only 4 hours. That’s not normal, it’s only 4 hours! We work more than 10 hours per day…!“ When you are deadly sick and you have gone through therapies your body is totall fucked up and totally exhausted when getting back into life. Everyone deals in a different way with it. I don’t think it’s fair to talk like that about people you don’t even really know and what they are going through.

But now I don’t about these people anymore. I just think „hey chemo was bad for the first days, too, but then it went better…“ So this is my slogan for life, I am my own idol and every time I am down I get up again on my own if no one else is there and still tries to get me down.

img_96222015 was a hard year that tought me a lot, full of love, happiness, death and pain. Letting go and living your life the best way possible and making yourself happy when no one else does. Until now the cancer hasn’t come back and I still hope that in January nothing will show up. I am greatful for every moment if good or bad but it just makes me stronger. Every person that was there for me, supported me and loved me are the ones I am so happy to have around me. And of the cancer hasn’t killed me no one else will.

Wishing you all the best for 2016 with lots of happiness and all your loced ones and lots of luck for the New Year. Thanks for 2015, 2016 can only get better, happier, nicer for everyone of us.

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Für ein besseres Leben / For a better life

leben

Dass ich ein Jahr später nach meiner Diagnose mich auf den Weg zum Friedhof machen werde hätte ich damals nicht gedacht. Es ist nicht meine Beerdigung, sondern Kerstins.

Es macht mich traurig, wenn ich daran denke, dass ich sie nur noch auf dem Friedhof besuchen kann. Andererseits sind wir so immer draußen, schnappen frische Luft, können die Sonnenstrahlen genießen,wenn wir uns treffen.

Der Tod, für viele ein Tabuthema. Für mich Realität. Erst gestern bekam ich einen Anruf von meiner Ärztin „Es wird ein Kopf MRT empfohlen, da Sie über Kopfschmerzen klagen“. Mein Herz rutschte mir in die Hose und ich fragte mich, ob ich die nächste sei.

Das weiß ich nicht, das weiß niemand. Und wenn ich so drüber nachdenke, über den Tod, um so weniger Angst habe ich davor. Mir würden eher viel mehr Dinge fehlen, die ich dann nicht mehr machen könnte. Wie z.B. snowboarden was ich nun so richtig gut kann. Oder mit dem Rad fahren, oder kochen, oder lachen, mit Freunden Spaß haben, auf Ibiza im Club mit geschlossenen Augen tanzen, den Sonnenuntergang anschauen, Smoothies trinken, mit meinem Hasen um den Tisch rumrennen, mich in mein frischgewaschenes Bett schmeißen, im Internet irgendwelchen Quatsch angucken, an Blumen riechen, ein Lamm mit der Flasche aufziehen, meine Mama in den Arm zu nehmen. Es gibt einfach viel zu viele und viel zu schöne Dinge im Leben, die viele in ihrem Alltag einfach vergessen.

Ich habe das letzte Jahr endlich mal wieder Zeit für all das gehabt und ich muss sagen, ich bin irgendwie froh, dass ich so viel Zeit für mich hatte. Ohne diese Krankheit hätte ich einfach so weitergemacht wie vorher. Morgens aufstehen, zur Arbeit, abends nach Hause, essen, TV gucken, schlafen. Tag ein Tag aus. Dann ein paar mal in den Urlaub oder Freunde besuchen, auf ein neues Auto sparen.

Anfangs hatte ich Angst, viel Angst, vor dem was kommen mag. Ich wusste ja nicht wie ich diese Therapien vertragen werde, ob ich überhaupt eine Chance hatte wieder gesund zu werden. Und nun bin ich seit fast einem Jahr zuhause und ich muss sagen, es war die lehrreichste Zeit meines Lebens, die schrecklichste und auch die schönste Zeit. Ich freue mich auf das was jetzt noch kommen wird. Denn das wird schöner und besser als das was davor war.

Es mag zwar Kerstin’s letzter Weg heute sein, aber nicht mein letzter Weg zu ihr. Denn viele Wege führen nach Rom, und einer davon ist deiner.


One year after my diagnosis I never thought that I will go to the cemetery. It’s not my funeral, it’s my friend’s, Kerstin.

It upset me when I think about that I can only visit her at the cemetery. But on the other side we will always be outside, breathing fresh air, enjoying the sun.

Death is a taboo topic. For me it’s reality. Only yesterday I got a call from my doctor saying „The clinic recommends an MRT because you lamented headaches.“ My heart was in my boots and I asked myself if I was the next one. I don’t know, no one knows. And when I think about it, about death I have less fear. It’s more about the things I couldn’t do anymore. I’d miss them a lot like snowboarding what I can do now really well. Or riding my bike, cooking, laughing, having fun with friends, dancing in a club in Ibiza with closed eyes, watching the sunset, drinking smoothies, running around our table with my rabbit, jumping into my fresh and washed bed, watching silly stuff on the internet, smelling at flowers, feeding a lamb with a bottle, cuddling my mom. There are far too many and wonderful things in life that many people forget about in their everyday life. For all that I have had plenty of time in the last year and I can say that I am somehow happy about how it all came because I had so much time to myself. Without this disease I wouldn’t have changed anything in my life and would have kept it the way it was. Getting up in the morning, going to work, coming home after work, having some food, watching telly, sleeping. Going on a holiday every now and then, saving for a car.

At first I was very scared, scared of what will come. I didn’t know how I would react on the therapies, if I had a chance to survive all this. And now I’ve been home for almost one year and I can say that it has been the most instructional time of my life, the worst but also the best time of my life. And I am looking forward to what will come now. Because it will be nicer and better to what it was before.

It may be Kerstin’s last walk today, but not my last walk to her. Because many ways lead to Rome, and one of them is yours.

Tiefpunkte

Den ganzen Samstag haben wir den Geburtstag meines Freundes gefeiert, Freunde eingeladen, waren auf dem Weihnachtsmarkt, jeder fragte mich wie es mir geht und wie es mit der Arbeit aussieht. Ich kann in diesen Momentan gut darüber erzählen, aber am nächsten Tag kommen dann die ganzen Gedanken. Was wird wohl werden aus mir, werde ich einen Job wiederfinden? Was, wenn ich nicht wegen einer langen Erkrankung keinen Job mehr finde? Ich habe Angst, fühle mich als Versager, fange immer wieder an zu weinen, ob in der Küche beim Brotschneiden oder im Bad beim Händewaschen. Ich fühle mich so schwach, so allein, ich komme da gerade nicht raus. Es macht mir zu schaffen, dass mein Arbeitgeber mich so diskriminiert wegen meiner Erkrankung. Ich habe keinen neuen Vertrag bekommen, da er keinen „Behinderten“ einstellen will. Nur wenn ich meinen Schwerbehindertenausweis abgebe, würde er über einen Wiedereinstellung nachdenken. Unfassbar, denn anfangs war er noch so nett zu mir und nun fühle ich mich, als wäre alles meine Schuld. Die Tränen überkommen mich, ich gehe zurück ins Bett, kauer mich zusammen, hole ein Taschentuch nach dem anderen raus. Mein Freund versucht mich zu trösten, legt sich zu mir ins Bett und redet mir gut zu. Das Wichtigste sei jetzt gesund zu werden und nicht an die Arbeit zu denken. Nur weil ein Arbeitgeber mich nicht mehr will, heißt das nicht gleich, dass andere mich auch nicht mehr wollen.  Jedoch macht mir jeder Angst, wenn er mich drauf anspricht. Verdreht sich und denkt sich seinen Teil. Das macht mich total kaputt. Aber mein Freund hat Recht, meine Gesundheit ist nun wichtiger. Ohne die geht leider gar nichts. Wir gehen ins Wohnzimmer, essen eine Suppe, trinken Tee und schauen einen Film.