Chemo-Jahrestag / Chemo anniversairy

WAS? Schon ein Jahr ist es her? Die letzte Chemo? Damals dachte ich es hätte nie ein Ende, und nun scheint es als hätte ich nie eine Chemo gemacht, naja so in etwa… Dass nun schon ein Jahr vergangen ist seit der letzten Chemo ist irgendwie unfassbar. Anfangs hatte ich sooo mega Angst davor, vor diesem ungewissen und in den Medien hörte ich immer wieder von Krebs und Chemo und dann diese kahlköpfigen Menschen dazu. Chemo, das konnte nichts gutes sein. Und so war es irgendwie auch.

Aber was ist eigentlich genau eine Chemo?

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Bild: Arzt an Bord

Es gibt viele verschiedene Chemotherapien. Für jeden Krebs eine andere. Da der Krebs in verschiedene Stadien eingestuft wird, mal agressiv, mal nicht so aggressiv, mal hormonabhängig, mal nicht, basteln die Ärzte erfahrungsgemäß eine Therapie zusammen.  Ich hatte insgesamt 8 Chemos, alle drei Wochen. Jeden Freitag Morgen um acht kam ich in de Praxis, meinen Rucksack mit Laptop immer dabei. Dann setzte ich mich auf einen gemütlichen Sessel, Füße hoch, Kopf zurück, und ein Tee dazu. Oh war das nett hier. Dachte ich anfangs. Dann wurde ich angestöpselt an meinen Port Katheter. Da Chemo Therapien sehr aggressiv sind können sie irgendwann die Armvenen zerstören. Armvenen können mit einem Gartenschlauch verglichen werden, die Hauptvenen im Körper mit Kanalisationsrohren. Deshalb wird dann ein Port, der auf den MuskelPortkatheter, Brustkrebs, Chemotherapie genäht wird, eingesetzt, damit die Flüssigkeit direkt durch einen Kanal in die Hauptvene gelangt. Bei mir ist der Port auch von außen noch gut sichtbar, da ich recht schlank bin. Er liegt jedoch unter der Haut und hat anfangs immer etwas gezwickt. Jetzt bemerke ich ihn kaum noch. Den Port behalte ich noch für 5 Jahre falls nochmal was sein sollte. Alle drei Monate muss er jedoch gespült werden damit nichts verstopft.

Eine Nadel stach dann immer durch meine Haut in den Port hinein. Von oben war eine Gummihaut auf dem Port, von unten eine Metallplatte die verhinderte, dass die Nadel durchstach. Dann ging es los mit Natriumchlorid oder auch Kochsalzlösung genannt, um die Nieren zu spülen. Mit dabei in diesem Mix waren auch Mittel gegen Allergien und Kortison, um die Chemo erträglich zu machen. Als das dann nach ca 1 Stunde durch war, kam das rote leckere Chemo Chemotherapie bei BrustkrebsMittel. Es hieß EC, (Epirubicin + Cyclophosphamid), jeweils 4 Zyklen davon. Als ich das erste Mal aufs Klo ging kam alles in rot raus. Ich erschrak zuerst, weil ich nicht wusste was los war. Aber nix war los. Die Chemo lief oben rein, durch den Körper und schnurstracks gleich wieder unten raus. Als das rote Mittel dann endlich durch war kam nochmal eine Packung Kochsalzlösung. Gegen 12.30 war ich dann fertig. Während der Chemo plauderte ich mit der Schwester und schaute den Film „Heute bin ich blond“ auf dem Laptop an.

Dann holte mich mein Freund ab und wir fuhren nach Hause. Bis hierhin merkte ich noch nichts. Auch beim Durchlaufen der Chemotherapie war nichts zu spüren. Ich fühlte mich nach fast 5 Stunden etwas schlapp, als hätte ich eine ganze Nacht Party gemacht und wäre jetzt auf dem Heimweg.

Gegen eventuelle Übelkeit bekam ich Tabletten mit nach Hause, aber selbst von denen wurde mir schon schlecht. Ich legte mich auf die Couch, mein Freund fing an zu kochen. Kaum konnte ich etwas davon riechen, fing es auch schon an. Totale Übelkeit, flauer Magen, Erbrechen. Ich musste ins Schlafzimmer und riss das Fenster auf. Es fühlte sich an, als würde ich gleich alles rausbrechen. Bis in die Abendstunden war der grüne Wischeimer mein stiller Begleiter. Ich liebte ihn so sehr, dass ich nicht mehr aufhören konnte ihn zu umarmen. Als ich gegen 20 Uhr mal etwas essen konnte, fuhren wir schnell in den Rewe, Zwiback und Kaugummis kaufen. Wrigleys Spearmint die gelben, die waren es die es mit angetan hatten. Jedes Mal, wenn ich aufs Klo zum Pinkeln ging dachte ich „Wenn ich jetzt ein Streichholz da reinschmeiße, dann explodiert das Klo.“ Es roch einfach nur nach Gift pur.

Die Nebenwirkungen von EC

Für ein paar Stunden ging es mir gut, ich konnte etwas schlafen, aber mein Körper fühlte sich an als würde er gegen einen Berg ankämpfen. David gegen Goliath. Morgens um 6 war ich dann putzmunter und hurra die Übelkeit war wieder da. Ich rannte ins Bad und konnte von meinem Freund, der Toilette, gar nicht mehr ablassen. Es ging gar nichts mehr, kein essen, kein trinken, nix. Bis 12 Uhr mittags. Sobald etwas reinkam, so kam es binnen Sekunden wieder raus. Mein Freund musste zur Arbeit und war jederzeit bereit wieder nach Hause zu kommen. Irgendwann ging gar nichts mehr, also rief ich den Arzt. „Was? Bei Ihnen ist es jetzt schon so schlimm?“ fragte er. Normalerweise sollten die Nebenwirkungen erst nach 2 -3 Tagen nach der Chemo einsetzen und bis zum 7. Tag sollte wieder alles abklingen.

Bei mir kam alles anders. Die Nebenwirkungen setzten sofort nach der Chemo ein und hielten 3-4 Tage an. Ich bekam Spritzen, kam an den Tropf, übergab mich dabei in der Praxis vor anderen Patienten, wurde auf eine Liege gelegt, um wieder zu mir zu kommen. Danach normalisierte sich wieder alles. So war es jedenfalls bei den ersten 4 Chemos. Alle drei Wochen jeden Freitag Chemo. Zwischen den Chemos wurden die Blutwerte kontrolliert. Waren sie schlecht bekam ich eine Spritze um die weißen oder roten Blutkörperchen zu erhöhen. Die Spritze dafür kam in den Bauch, war wie eine Spritze gegen Thrombose, nur, dass ihre Wirkung im Rückenmark wehtat.

Die neue Chemo Taxotere

Nach den 4x EC änderte sich die Chemo, also nur das Mittel. Jetzt bekam ich Taxotere, ein Mittel das aus der Eibe gewonnen wird und sich Taxol schimpft. Wie einige von uns wissen ist eine Eibe hochgiftig. Ihr könnt euch nun sicherlich vorstellen, dass ich sozusagen vergiftet wurde und mein Körper die Kraft aufbringen musste dagegen anzukämpfen. Da ich so schwer mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen hatte, kam ich bereits zur Chemo vollgepumpt mit Medikamenten. Ein Pflaster am linken Arm gegen Übelkeit, ein Zäpfchen gegen Übelkeit und Erbrechen und Tabletten nahm ich am Vorabend schon zu mir. Kaum auf dem Sessel platziert schlief ich ein so voller Chemotherapie bei BrustkrebsDrogen war ich. Zwischendurch trank ich immer mal wieder etwas Tee, ging aufs Klo und sackte wieder in den Sessel zurück. Es fühlte sich an als hätte ich einen Schleier vor meinen Augen und bekam alles so nebenbei mit. Weil die Chemo Praxis ganz in meiner Nähe war und ich nicht auf einen Taxiservice angewiesen sein wollte, fuhr ich mittlerweile selbst zur Chemo und zurück nach Hause. Die neue Chemo war so viel besser als die EC, dachte ich. Pustekuchen. Die ersten Tage waren noch ganz ok, aber dann kamen immer mehr Nebenwirkungen dazu. Die Umstellung auf Taxotere war am schlimmsten. Ich konnte nicht sitzen, nur liegen oder stehen. Mein Rücken schmerzte wie verrückt im unteren Teil. Ibuprofen musste her, und zwar jeden Tag mindestens 3x sowie ein Wärmekissen unter meinen Lendenwirbel. Bei jedem Schmerz zuckte mein Körper zusammen, ich schrie ins Kissen, biss rein, weinte. Dann war mein Mund ganz entzündet, so dass ich nichts mehr essen konnte. Dagegen gab es eine angemischte Mundspülung aus der Apotheke. Schüttelfrost und Fieber hatte ich auch hin und wieder. Nachts konnte ich kaum noch schlafen. Nach zwei Stunden Schlaf war ich hellwach, Laptop an, Sex and the City gucken oder im Wohnzimmer bei offenem Fenster versuchen das Fieber runterzubekommen.

Nach der nächsten Taxotere bekam ich Blasen an den Füßen. Meine neuen Schuhe konnte ich auf Ibiza nicht anziehen, dafür waren meine Füße zu dick und zu entzündet. Naja Hauptsache die Perücke saß während ich mit Paul van Dyk, seiner Freundin und meinen alten Cream Arbeitskollegen die Flasche Moet morgens um 4 im Amnesia köpfte, nachdem wir alle in der DJ Box vor 4000 Leuten abhotteten.

Neben meinem Bett stand ein Eimer mit kaltem Wasser, in das ich meine Füße gleich beim Aufstehen tauchte. Immer öfter musste ich mich eincremen, am besten mit einer Creme mit hohem Urea Gehalt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon keine Haare mehr auf dem Kopf. Meine Haare fingen nach genau 13 Tagen nach der ersten Chemo bei Ikea auszugehen. „Oh es geht los!“ sagte mein Cousin. Wimpern und Augenbrauen gingen erst ganz am Ende der Chemos aus. Meine Muskeln wurden immer schwächer und mein Po hing immer mehr. Nix mehr mit Knackarsch. Alles was mich ausmachte war weg.

Meine Augen tränten des öfteren, meine Haut juckte irgendwie, jeden Tag kam etwas neues dazu. Die neue Chemo war hinterfotzig und gemein, ich wollte die erste Chemo EC wieder zurück, aber das ging nicht. Meine Schleimhäute waren trocken, rissen bei kleinsten Erschütterungen ein. An Stuhlgang war nicht zu denken, und wenn dann riss alles ein. Ich war am Ende so geschwächt durch die Chemo, dass ich nicht mal mehr die 54 Stufen zu unserer Wohnung in den 2. Stock schaffte. Wie eine alte Oma fühlte ich mich, die gerade 90 war. ‚Wahrscheinlich sind manche Omas eh viel flotter drauf als ich‘, dachte ich. Ich brauchte fast 2 Wochen um wieder zu mir zu kommen, mich wieder zu normalisieren. Und kaum war es geschafft, fing die nächste Taxotere Chemo wieder an. Es wurde immer schlimmer und ich immer schwächer. Meine Nägel fingen an sich zu lösen, ich feilte sie immer höher, jedoch war eine Rille zwischen Nagel und Finger zu sehen. Mit Nagellack konnte ich es etwas aufhalten. Und dann löste sich auch noch die Haut von meinen Füßen, dort wo vorher die Blasen waren.

Nach einem halben Jahr Chemo war es endlich geschafft. Ich konnte endlich wieder zurück ins normale Leben kehren. Während den Chemos lebte ich im 3Wochen Rhythmus, plante alles danach. Meine Mama und mein Freund koordinierten mit ihrer Arbeit die Termine. Beide wechselten sich ab, damit ich nicht allein zuhause war während den Chemos.

Vorbereitung ist alles

Vor den Chemos machte ich zuhause immer klar Schiff, damit nix anfiel und ich mich nicht noch um andere Dinge kümmern musste. Wäsche waschen, Wohnung putzen, einkaufen, Eintopf vorkochen. Um so leichtere Sachen ich aß, desto besser ging es mir. Und am liebsten wollte ich ganz viel Milchshakes trinken oder Eis essen. Mandeln waren auch mega und eine Mundspülung fühlte sich an wie ein erfrischender Wasserfall in meinem Mund. Wenn ich den Kühlschrank öffnete lachten mich Obst und Gemüse an, Fleisch und Wurst ließen mich kalt, mir wurde richtig schlecht beim Anblick davon.

Was macht eine Chemo?

Die Chemo greift die gesunden und die kranken Krebszellen an. Der Tumor soll nach und nach zerfallen. Ich habe das richtig gespürt, wenn ich meinen Tumor anfasste. Mein Busenfreund wurde irgendwann immer kleiner und fühlte sich nicht mehr so hart an. Als die Chemo auf die Krebszellen wirkte, kribbelte es an der besagten Stelle. Um Gewissheit zu bekommen, ob die Chemo wirkte, musste ich nach der 2. und 4. Chemo zur Kontrolle. Bei der 2. Kontrolle entnahm mir das Krankenhaus noch einmal Gewebe welches untersucht wurde, ob die Zellen darauf ansprechen. Bei der 4. Kontrolle wurde nur noch per Ultraschall geschaut, ob eine Veränderung vorlag.

Das Jahr danach

Jetzt, ein Jahr später, geht es mir wieder besser. In meinen Fingern spüre ich immer mal wieder ein kleines Zucken, andere Patienten haben richtig das Gefühl verloren. Die Nerven sind einfach tot von der Chemo. Hin und wieder bin ich noch etwas müde, auch Fatigue genannt. Dagegen mache ich Sport, verbringe Zeit in der freien Natur. Meine Haare sind wieder da und wenn ich mal jemanden treffe, der sich über seine nicht vorhandene Haarpracht beschwert dann sage ich „Mach doch mal ’ne Chemo! Danach kommen die Haare wieder richtig gut wieder…“ 😀

Läuft jede Chemo so ab?

Nein, es gibt viele verschiedene Chemos. Ich hatte 8 Zyklen alle drei Wochen. Andere Patienten letzte Chemo, Chemotherapie bei Brustkrebsdie ich während dieser Zeit traf bekamen manchmal sogar jede Woche Chemo oder auch tagelang. Weil die Chemos bei den anderen nicht so lange dauerten, sprach ich mit vielen verschiedenen Menschen in den 5 Stunden. Einige bekommen Chemo in Tablettenform ihr Leben lang, andere nehmen jede Woche die Chemo in einem kleinen Ball um den Hals gehangen für eine Nacht mit nach Hause. Es gab Patienten, für die war Chemo Alltag bis ans Lebensende. Der Krebs ließ sich dadurch nur noch kontrollieren, aber ganz weg ging er nicht mehr.

Fazit

Chemo ist hart, übel, unangenehm und anders als ich immer gedacht habe. Sie zerstört gute sowie böse Zellen. Aber nicht bei jedem müssen Nebenwirkungen auftreten. ‚Alles kann, nichts muss‘ war immer mein Motto. Jeder muss seinen eigenen Weg dadurch finden, genau so wie im richtigen Leben. Wir können uns gegenseitig Tipps geben, so wie Kerstin und ich das immer gemacht haben. Aber letztendlich ist es dein eigener Weg, den du gehst. Es ist aber zu schaffen, auch wenn es hart ist.

Heute ist es immer noch komisch, wenn ich daran denke, dass ich eine Chemotherapie gemacht habe. Es ist so unglaubwürdig, so unreal. Früher hatte ich immer einen großen Respekt vor denen die eine Chemo machen mussten, und nun bin ich einer von ihnen. Laut meiner Gynäkologin soll es in zehn Jahren wohl keine Chemotherapien mehr geben. Sie greifen einfach zu viele gute Zellen mit an und die Immuntherapie soll die alte Chemotherapie ablösen. Ich hoffe, das wird funktionieren, denn ich wünsche keinem jemals eine Chemotherapie machen zu müssen. Sie macht einfach auch sehr viel kaputt.

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Mein „Best of Krebs“ / My „best of cancer“

März 2014, Diagnose Brustkrebs. April – September 2014 Chemo, 8x alle 3 Wochen. Oktober Abnahme der rechten Brust, Januar – Februar 2015 30 Bestrahlung. Juli – August 2015 Reha auf Usedom. Das war mein Leben im letzten Jahr. Ich habe die ganze Zeit auf die Reha hingearbeitet und war dann so froh sie an der Ostsee verbringen zu dürfen. Es gab mir wieder etwas Kraft und Energie, ich fand zu mir selbst. Wie sagte mein Freund so schön am Anfang der Therapie: „Sieh die Chemo als russisches Aufräumkommando an, die Bestrahlung macht danach alles sauber und die Reha macht alles wieder blitzeblank.“

Damals so gar nicht greifbar, und jetzt liegt alles hinter mir. Die letzte Woche bei der Reha dachte ich viel über mich nach, nahm mir Zeit für lange Spaziergänge am Meer, schnappte mir die Inline Skates und fuhr die Promenade auf und ab. Auf einmal, so ganz plötzlich kamen mir die Tränen. Es ist alles geschafft, alles, wirklich alles. Das Schlimmste ist nun vorbei, für immer hoffentlich. Klar, diese Antihormontherapie muss ich noch 9 Jahre lang machen und diese Spritze Trenantone (lässt meine Eierstöcke einschlafen, damit keine Hormone mehr produziert werden) muss ich noch 1 Jahr lang alle 3 Monate nehmen. Aber ansonsten ist alles geschafft. Es war alles echt, es war alles MEIN Leben mit dem Krebs, es war wie es war, ob gut oder schlecht.

Im September dann die große Untersuchung in Leipzig. MRT, Ultraschall der Brust, ein kompletter Check Up einmal jährlich. Ich bin froh, dass dies gemacht wird und Angst habe ich auch nicht davor.

So ganz plötzlich stehe ich da. Auf diesen Moment habe ich immer gewartet. Doch irgendwie weiß ich gar nicht wie es weitergeht. Das einzige was ich jetzt weiß ist, dass diese Zeit hart war aber es auch schöne Zeiten gab, dass ich nur noch das machen will was mich glücklich macht, dass ich keine Lust mehr auf negative Leute habe, dass ich nun noch mehr sage, wenn mir etwas nicht passt und ich mir nichts mehr unterstellen lasse. Das Leben ist zu kurz, um sich über andere zu ärgern oder sich von anderen ärgern zu lassen. Es ist doch ein wenig wie Woodstock im Jahre 1969 wo mehr als 400.000 Menschen für ein friedliebendes Amerika gekämpft haben. Und genau so kämpfe ich für ein friedliches Leben, für dich, für mich, für uns.

Und weil mein letztes Jahr so unbeschreiblich war, lasse ich diesmal mehr Bilder als Worte sprechen. Viel Spaß!


 

March 2014, diagnose breast cancer. April – September 2014 chemotherapy, 8x every 3 weeks. October mastectomy of my right boob, January – February 2015 radiotherapy. July – August 2015 rehab on the island Usedom. That was my life last year. I always just waited to be able to go to rehab and then I was so happy that I could spend it at the Baltic Sea. It gave me so much energy and I had some time to myself. Like my boyfriend used to say: „Let’s just think that the chemo therapy is a Russian cleaning team, radiotherapy cleans everything and rehab will leave everything nice and clean behind you.

It all seemed to far away last year and now everything is behind me. during the last week at rehab I thought a lot about myself, went for long walks at the beach, went inline skating at the promenade. And then finally my tears kept coming. Everything was done now, really everything. The worst is gone and hopefully for good. Of course I still have to do this antihormone therapy where I have to take a tablet every day and get an injection every 3 months for the next year, but in general I’m done now. It was all real, it was my life with my cancer, it was like it was, good or bad.

In September I have my annual check up in Leipzig. MRT, ultrasound of the boob, a complete check up. I’m glad I am getting this check up and I’m not scared of it.

I’m standing there and I’ve waited for this moment for so long. But somehow I don’t know how life will go on. I only know that this time was hard and tough but I also had great times, that I only want to do things that I love doing, that I don’t want to spend time with people who make me happy, and that I always stand up for myself and don’t let anyone talk bad about me anymore. Life is too short to worry about bad stuff. It’s a little bit like woodstock in 1969 where more than 400.000 people were fighting to have a peaceful America. And I’m fighting for this peaceful life, too, for you, for me, for us.

And because my life was so incredible the past year I let my picture speak. Enjoy!

Hippie times
Hippie times, ich habe mich immer schlapp gefühlt, war müde, hatte Nasenbluten / I always felt quite weak, was tired and my nose was bleeding quite a lot

 

März 2013
März 2014:  bevor ich herausfand, dass ich Krebs hatte / March 2014: before I found out that I had cancer
Krankenhaus Rodeweisch
April 2014, die erste OP, Portkatheter einsetzen und Wächterlymphknoten entfernen / first operation, getting the port catheter and taking out my main lymph node
Herzkissen für Brustkrebspatienten
Herzkissen für Brustkrebspatienten / heart pillow for breast cancer patients
11.April 2014: die erste Chemo
11.April 2014: die erste Chemo / my first chemo therapy ever
Ende April 2014 die ersten Haare fallen aus
Ende April 2014 die ersten Haare fallen aus / end of April: the hair started to fall out
Haarfrisur Bob
noch schnell mal eine Frisur ausprobieren bevor alle Haare weg sind / before I lost all of my hair I tried some hairstyles
die Anfang Mai 2014: erste Perücke ausprobieren
die Anfang Mai 2014: erste Perücke ausprobieren / beginning of May 2014: trying my first wig
ein wenig Farbe ins Leben bringen
ein wenig Farbe ins Leben bringen. Mir war zwischen den Chemos langweilig zuhause, also renovierte ich die Wohnung / adding some colour into my life so I painted our apartment during chemo
Echthaar Indian Remy blond
meine Lieblingsperücke / my favourite wig
Spazieren gehen so oft es nur geht
Spazieren gehen so oft es nur geht
Golden Polo Girl
Golden Polo Girl
AS International wigs
In Hamburg bei AS International am Hauptbahnhof hab ich 2 Stunden lang Perücken probiert / In Hamburg at AS International I tried wigs for 2 hours
Kunsthaar blond, Perücke
mein blonder Bob, Kunsthaar / My blonde bob, fake hair
Bustour
Juni / June2014: eine Ostseetour mit meinem Freund. Durch den Spreewald nach Usedom, nach Rügen bis zum Darß und zurück im Bus. / A little tour at the Baltic Sea
Juni 2014: Ostseetour
Juni  /June 2014: Ostseetour / camping tour at the Baltic Sea
Glatze durch Chemotherapie, Haarverlust bei Brustkrebs
auch mit Glatze sah ich gar nicht mal so schlecht aus 😀 / even with a bold head I looked quite alright

 

Juli 2014: Auf Ibiza segeln
Juli / July 2014: Auf Ibiza segeln / Sailing in Ibiza
vor der Küste Ibiza's irgendwo auf dem Meer
Juli / July 2014: vor der Küste Ibiza’s irgendwo auf dem Meer / Somewhere in Ibiza on my friend’s boat
Meine Freunde glauben an mich
Meine Freunde glauben an mich / My friends believe in me
Juni 2014 Hamburg radeln
August 2014: mit dem Rad 40 km durch Hamburg radeln / Riding the bike through Hamburg 40km
Friend's for life
Freunde fürs Leben, Der Krebs schweißte uns mehr zusammen als ich mir je zu träumen gewünscht hätte. Und bis heute kann ich es nicht in Worte fassen wieviel du mir bedeutest./ Friends for life. The cancer got us closer than I ever thought. Still now I can’t put in words how much you mean to me. ❤
Fahrrad fahren
Fahrrad fahren bei Krebs hat mich immer gestärkt / riding the bike throuhout therapy always made me stronger and helped me to get through therapy
Freunde bei mir: Fabian zu Besuch aus Heidelberg
Freunde bei mir: Fabian zu Besuch aus Heidelberg / Friends coming to see me from Heidelberg
A day in the sunshine
Im Garten / A day in the sunshine
keep-calm-it-s-my-last-chemo-3
September 2014: letzte Chemo / last chemo
Chemotherapie im Krankenhaus
Chemotherapie im Krankenhaus / Chemo therapy in hospital
Oktober 2014: Visitors from Hamburg
Oktober / October 2014: Visitors from Hamburg
Una&SU
Oktober 2014: mit Una spazieren gehen / going for walks
Teddyzwergkaninchen
November 2014: Nachwuchs, mein Teddyzwergkaninchen / My little bunny comes to live with me
Dezember 2014: Prag
Dezember / December 2014: Prag / Prague
Weihnachten mit Wuschel / Christmas with my rabbit
Weihnachten mit Wuschel / Christmas with my rabbit
strong girl
ich schaff das, egal wie, ich schaff das! / I will do it, no matter how, but I will do it!
Januar 2015: Skilanglauf
Januar / January 2015: Skilanglauf / Skiing
Kerstin geht, für immer. Ich vermisse sie noch heute / Kerstin is leaving, for good. I still miss her every single day
Kerstin geht, für immer. Ich vermisse sie noch heute / Kerstin is leaving, for good. I still miss her every single day
Strahlentherapie / Radiotherapy
11.2. 2015 Strahlentherapie ist zuende/ Radiotherapy is finished
Februar 2014: Snowboarden in Italien
Februar / February 2015: Snowboarden in Italien
Snowboarden in Reschen
Und wenn keiner bei mir im Lift sitzen will, dann fahre ich eben allein hoch / If no one wants to sit next to me in the lift I’m happy to have it on my own
März 2015: Hamburg
März / March 2015: Hamburg an der Alster
April 2015: Mein Geburtstag
April 2015: Mein Geburtstag / My birthday
PS Photography, Fotografie Hamburg, Krebs, Junge Erwachsene mit Krebs
April 2015: Shooting mit Patricia Schumann Photography in Hamburg / Shooting with Patricia Schumann Wedding&Lifestyle Photography
Mai 2015: Acroyoga
Mai / May 2015: Acroyoga
Mai 2015: Katamaran Fahrt in Lissabon
Mai /May  2015: Katamaran Fahrt in Lissabon mit den Bunnies von  Patricia’s JGA /Hen do in Lisboa
Bibo Time!
Bibo Time! Meine Haare sind überall /My hair is all over the place
Bewerbungsfoto
Bewerbungsfotos machen für neue Jobs / taking pictures for job applications
Irgendwie ähnel ich öfter einem Vogel / I seem to be a lookalike of this bird
Irgendwie ähnel ich öfter einem Vogel / I seem to be a lookalike of this bird
team discovering hands berlin
Besuch bei Discovering Hands in Berlin / Visitin discovering hands in Berlin
Berlin alter Flughafen
In Berlin radeln und Freunde wiedertreffen die ich Jahre nicht gesehen habe / riding the bike through Berlin with friends that I haven’t seen for years
Juni 2015: Sächsische Schweiz
Juni / June 2015: Sächsische Schweiz
Klettern / Climbing
Klettern / Climbing
Nana Recover your smile
Nana Recover your Smile – Workshop für Krebspatienten / Workshop for cancer patients in Munich
Recover your smile
Recover your smile
Recover your smile / Lily meets Lola
Juni / June 2015: Bei Recover your smile /Lilly meets Lola in München (Krebsworkshop) / Recover your smile cancer workshop in Munich
Im Garten mit Wuschel
Im Garten mit Wuschel / In the garden with my funny rabbit
Vintage Girl bei Patricia's Hochzeit
Juli  /July 2015: Vintage Girl bei Patricia’s Hochzeit / My friend’s wedding
Vintage Girls, Mädels vom JGA
Juli / July 2015: Vintage Girls, Mädels vom JGA / Vintage girls at my friend’s wedding
Reha Seebad Ahlbeck, Usedom
Juli / July 2015: Reha im Seebad Ahlbeck auf Usedom / Rehab at the clinic at the Baltic Sea

 

August 2015: Feiern meines Therapieabschlusses auf der SMS
August 2015: Feiern meines Therapieabschlusses auf der SMS / Celebrating the end of my therapies at the festival
Bloggerin
ich bin Bloggerin aus Leidenschaft / ich liebe es und freue mich, wenn ich anderen dadurch helfen kann. / I have a passion for blogging and I love it when I can help others with that.

 

Und wenn ich nicht gestorben bin, dann blogge ich noch heute 😉 

And if I’m not dead I’m still blogging 😉

Eure Su / Your Su

Die Krebsgemeinschaft #1 / The Cancer Community #1

Brustkrebs. Scheiße! dachte ich. Muss ich nun sterben? fragte ich mich. „Es gibt Selbsthilfegruppen, die machen vieles zusammen,“ schlug mir die Sozialarbeiterin vor. Auf keinen Fall gehe ich da hin, da sitzen die bestimmt nur rum, sind wehleidig, heulen und ziehen sich nur noch mehr runter. Das will ich nicht. Das war mir klar. Als ich dann am 1. April 2014 Kerstin kennenlernte wusste ich: Das ist mein Krebspartner, meine Selbsthilfegruppe.

Weiterlesen „Die Krebsgemeinschaft #1 / The Cancer Community #1“

Für ein besseres Leben / For a better life

leben

Dass ich ein Jahr später nach meiner Diagnose mich auf den Weg zum Friedhof machen werde hätte ich damals nicht gedacht. Es ist nicht meine Beerdigung, sondern Kerstins.

Es macht mich traurig, wenn ich daran denke, dass ich sie nur noch auf dem Friedhof besuchen kann. Andererseits sind wir so immer draußen, schnappen frische Luft, können die Sonnenstrahlen genießen,wenn wir uns treffen.

Der Tod, für viele ein Tabuthema. Für mich Realität. Erst gestern bekam ich einen Anruf von meiner Ärztin „Es wird ein Kopf MRT empfohlen, da Sie über Kopfschmerzen klagen“. Mein Herz rutschte mir in die Hose und ich fragte mich, ob ich die nächste sei.

Das weiß ich nicht, das weiß niemand. Und wenn ich so drüber nachdenke, über den Tod, um so weniger Angst habe ich davor. Mir würden eher viel mehr Dinge fehlen, die ich dann nicht mehr machen könnte. Wie z.B. snowboarden was ich nun so richtig gut kann. Oder mit dem Rad fahren, oder kochen, oder lachen, mit Freunden Spaß haben, auf Ibiza im Club mit geschlossenen Augen tanzen, den Sonnenuntergang anschauen, Smoothies trinken, mit meinem Hasen um den Tisch rumrennen, mich in mein frischgewaschenes Bett schmeißen, im Internet irgendwelchen Quatsch angucken, an Blumen riechen, ein Lamm mit der Flasche aufziehen, meine Mama in den Arm zu nehmen. Es gibt einfach viel zu viele und viel zu schöne Dinge im Leben, die viele in ihrem Alltag einfach vergessen.

Ich habe das letzte Jahr endlich mal wieder Zeit für all das gehabt und ich muss sagen, ich bin irgendwie froh, dass ich so viel Zeit für mich hatte. Ohne diese Krankheit hätte ich einfach so weitergemacht wie vorher. Morgens aufstehen, zur Arbeit, abends nach Hause, essen, TV gucken, schlafen. Tag ein Tag aus. Dann ein paar mal in den Urlaub oder Freunde besuchen, auf ein neues Auto sparen.

Anfangs hatte ich Angst, viel Angst, vor dem was kommen mag. Ich wusste ja nicht wie ich diese Therapien vertragen werde, ob ich überhaupt eine Chance hatte wieder gesund zu werden. Und nun bin ich seit fast einem Jahr zuhause und ich muss sagen, es war die lehrreichste Zeit meines Lebens, die schrecklichste und auch die schönste Zeit. Ich freue mich auf das was jetzt noch kommen wird. Denn das wird schöner und besser als das was davor war.

Es mag zwar Kerstin’s letzter Weg heute sein, aber nicht mein letzter Weg zu ihr. Denn viele Wege führen nach Rom, und einer davon ist deiner.


One year after my diagnosis I never thought that I will go to the cemetery. It’s not my funeral, it’s my friend’s, Kerstin.

It upset me when I think about that I can only visit her at the cemetery. But on the other side we will always be outside, breathing fresh air, enjoying the sun.

Death is a taboo topic. For me it’s reality. Only yesterday I got a call from my doctor saying „The clinic recommends an MRT because you lamented headaches.“ My heart was in my boots and I asked myself if I was the next one. I don’t know, no one knows. And when I think about it, about death I have less fear. It’s more about the things I couldn’t do anymore. I’d miss them a lot like snowboarding what I can do now really well. Or riding my bike, cooking, laughing, having fun with friends, dancing in a club in Ibiza with closed eyes, watching the sunset, drinking smoothies, running around our table with my rabbit, jumping into my fresh and washed bed, watching silly stuff on the internet, smelling at flowers, feeding a lamb with a bottle, cuddling my mom. There are far too many and wonderful things in life that many people forget about in their everyday life. For all that I have had plenty of time in the last year and I can say that I am somehow happy about how it all came because I had so much time to myself. Without this disease I wouldn’t have changed anything in my life and would have kept it the way it was. Getting up in the morning, going to work, coming home after work, having some food, watching telly, sleeping. Going on a holiday every now and then, saving for a car.

At first I was very scared, scared of what will come. I didn’t know how I would react on the therapies, if I had a chance to survive all this. And now I’ve been home for almost one year and I can say that it has been the most instructional time of my life, the worst but also the best time of my life. And I am looking forward to what will come now. Because it will be nicer and better to what it was before.

It may be Kerstin’s last walk today, but not my last walk to her. Because many ways lead to Rome, and one of them is yours.

Wir sind ein Team

Heute Vormittag rief ich meine Freundin an. Wir kennen uns erst seit dem 30. März letzten Jahres und könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie 54, verheiratet, 2 Kinder, ich 32, kinderlos, unverheiratet. Gleich vom ersten Moment an im Krankenhaus verstanden wir uns. Klar wir waren beide wegen Brustkrebs im Krankenhaus, aber trotzdem hatten wir Spaß. Wir waren das Zimmer das am meisten gelacht hatte. Selbst die Krankenschwestern kamen gegen 22 Uhr herein und fragten was das Gekicher denn um diese Uhrzeit noch sollte. Wir blieben in Kontakt, die ganze Zeit über. Selbsthilfegruppen brauchten wir nicht, denn wir hatten unsere eigene.

„Wie war die OP?“ fragte ich sie, denn sie hatte die Brust-OP schon hinter sich. Ich fing als erste von uns beiden mit der Chemo an und konnte davon berichten. „sag mal ich hab die Beschwerden, was hast du da gemacht?! Und so ging es immer weiter, wir telefonierten jede Woche, trafen uns zum Kaffee, gingen gemeinsam im Sonnenschein essen und spazieren. Wir waren ein super Team, ein super Krebsteam. Wir hatten uns und das reichte aus. Denn wir wussten, dass egal was komme wir füreinander da sind. Die OP, die Chemo und die Strahlentherapie waren geschafft und nur noch die Kur fehlte.

Als ich heute bei ihr anrief ging ihre Tochter ran. Meine Freundin war nicht da, sie war seit dem Wochenende im Krankenhaus. Sie hatte immer stärkere Rückenschmerzen gehabt, hohen Bluthochdruck, konnte nicht mehr richtig schlafen. Es wurde immer schlimmer mit der Zeit. Im Krankenhaus behielten sie sie gleich dort. Sie hätten sie untersucht und dunkle Flecken auf Leber und Lunge gefunden. Das musste untersucht werden. Ich machte mich sofort auf den Weg zu ihr.

Während der 20 minütigen Autofahrt lief mein komplettes Leben noch mal vor mir ab. Der Kindergarten, meine Großeltern, die DDR, Hamburg, ein Ossi im Westen zu sein, die Grundschule, das Gymnasium, mein Studium, Ibiza, meine Mama, meine Freunde, mein unbeschwertes Leben. Und dann kam der Krebs und die Gedanken an den Tod. Und mit ihm Kerstin. Sie ist eine der liebevollsten und gutmütigsten Menschen die ich je kennengelernt habe. Und nun lag sie dort auf dem Krankenbett, im rechten Arm eine Kanüle, auf ihrem Bauch ein Sandsack, der die Blutung von der Leberbiopsie stillen sollte. Durch die Chemo waren ihre Haare nun gewellt und grau.

„Sie haben dunkle Flecken auf der Leber und der Lunge entdeckt. Gestern habe ich nur geweint beim Anblick meiner Familie,“ sagte sie. „Was, wenn es wirklich Metastasen sind? Wer kümmert sich dann um meine Familie?“ Ich konnte sie nur trösten, ihr beistehen, gut zureden. Es berührte mich sehr und ich musste die Tränen zurückhalten, um sie nicht noch mehr zu beunruhigen. Das Ergebnis ist noch nicht da, soll aber in den nächsten Tagen kommen.

Als ich das Krankenhaus verlasse kommen mir die Tränen. Ich muss weinen, denn ich will meinen Teampartner nicht verlieren. Wir hatten uns geschworen, das alles gemeinsam durchzustehen und nach den ganzen Therapien wieder lachend durchs Leben zu gehen. Wir hatten uns versprochen immer füreinander da zu sein und den Krebs auszutricksen.

„Und du wirst auch irgendwann ein Baby haben, da freue ich mich schon drauf!“ sagte sie damals. Ich kann nur noch hoffen, dass es gut ausgehen wird, denn ein Team besteht immer aus mindestens 2 Partnern. Und die sind Kerstin und ich.

Mir fehlen die Worte…

…wenn ich etwas erzähle, von etwas berichte oder etwas sagen möchte. Wörter sind einfach ausgelöscht, existieren nicht mehr in meinem Gehirn, auch wenn ich pausenlos versuche sie abzurufen. Als wäre ein Pfad auf der Festplatte gelöscht worden. Das Chemohirn. Anfangs dachte ich „ach quatsch, das wird mich nicht betreffen“, aber dann wurde es immer schlimmer. Während der Chemo, 6 Monate lang, war es nicht aufzuhalten und zu spüren an allen Ecken und Enden. Mein Freund meinte irgendwann, dass er merkt, wie ich nicht mehr kognitiv denken kann. Das was vor einigen Minuten im Radio oder Fernsehen kam, konnte ich nicht mehr wiedergeben. Zu viele Informationen für mein Gehirn. Ich war auch nicht mehr dazu imstande Dinge miteinander zu verknüpfen. Es belastete mich schon, da ich ein Mensch bin, der viel Wert auf Sprache legt und sogar Sprachen studiert hatte. Ich habe das Gefühl ich drücke mich aus als hätte ich keine gute Bildung genießen können. Dauernd fehlen mir die einfachsten Wörter. Es ist wohl normal sagten die Ärzte mir und würde irgendwann wieder zurückkommen. Aber was wenn nicht? Wie eine Oberärztin zu mir am Anfang der Therapie meinte:

Sie werden nie wieder so sein wie sie jetzt sind. Die 100% die ihr Körper nun zur Verfügung hat, wird er nie mehr erreichen.

Das war hart. Aber ich wollte es nicht glauben und versorgte mich mit Kreuzworträtselheften, schaue Dokumentationen, lese, habe angefangen mit häkeln und versuche kleine Dinge zu tun an die ich mich immer wieder erinnern muss. Kleine gelbe Zettel gehören jetzt zum täglichen Inventar. Ohne die könnte ich mir gar nix mehr merken. Wie lange es dauert bis alle Erinnerungen wieder da sind? Das weiß ich nicht. Und deshalb schaffe ich mir immer mehr neue Erinnerungen für die alten die nun verloren gegangen sind. Und nein ich gebe nicht auf, die 100% die ich vorher hatte reichen mir nicht mehr, ich will 110%

Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen

Seit einigen Tagen habe ich Nierenschmerzen, richtig stark. Gestern beim FiBu Kurs wurde es dann richtig übel, und heute sitze ich hier mit Rückenschmerzen. Ich hoffe nicht, dass es durch die Antihormontherapie kommt. Es zwickt, es zwackt ganz tief unten im Rücken. Total platt liege ich auf der Couch. Doch ich weiß was helfen könnte: SPORT! Ich schwinge mich gleich auf meinen Fahrradsattel und düse los. Frische Luft, Natur, draußen. Kann es schon fühlen, dass es mir dann besser geht.