Das erste Jahr ohne Krebs / The first year without cancer

img_96332015 war das erste Jahr ohne Krebs für mich. Anfang des Jahres kam die Bestrahlung, dann starb meine Freundin Kerstin an Brustkrebs. Es folgten noch weitere 2 Beerdigungen für mich dieses Jahr. Und jedes Mal dachte ich „das hättest auch du sein können“.  Meine Psyche bekam einen ordentlichen Knacks ab nachdem die Therapien beendet waren, ich fiel erst später in ein tiefes Loch. Im Mai flogen wir nach Lissabon zum Junggesellinneabschied für ein langes Wochenende. Unvergesslich und doch war es zu stressig für mich. Eine Gürtelrose an meiner Brustnarbe war das Ergebnis dieser Reise. Im Sommer dann endlich ein Lichtblick, meine Freundin heiratete ihren Liebsten und danach fuhr ich zur Reha nach Usedom wo ich mich 3 Wochen lang betüddeln ließ. Es tat gut nur für mich zu sein, andere Menschen zu treffen die Verständnis hatten, weil auch sie von einer Krankheit geplagt wurden.

Verständnis, das ist etwas was viele nicht haben. „In so jungen Jahren steckt man doch so eine Krankheit besser weg als im Alter.“ Vielleicht körperlich, aber psychisch eher nicht. Als junger Mensch hast du noch so vieles vor. Familie, Karriere, Hochzeit, Kinder, Reisen, die Welt kennenlernen und mit einem Menschen den du liebst ein glückliches Leben zu haben. Und auf einmal ist davon alles erstmal weg.

Es gab viele die sich immer wieder gerne einmischten in die ganze Sache ohne überhaupt zu wissen was wirklich passiert war. Ich blieb oft allein zurück. Es war ja meine Krankheit.

Im August schrieb ich Bewerbungen, eine liebe Nachbarin half mir die Bewerbungsfotos zu machen, jemand anderes ging mit mir meinen Lebenslauf durch und gab mir Tipps. Und es klappte. Im September fing ich meinen Job als Assistentin im Projektmanagement in einer Internetfirma an. Der Kunde, den wir betreuen, ein großer Pharmakonzern. Besser hätte es nicht laufen können. Ich liebe meinen Job und meine Kollegen sind absolut spitze. Wie ein 6 im Lotto. Die ersten zwei Monate waren dennoch anstrengend für mich. Ich arbeitete 6 Stunden am Tag, hatte also keine Wiedereingliederung. Nach 1,5 Jahren zuhause sein, Chemotherapie, Bestrahlung, 2 OPs, 1 Reha, eine angeknackste Psyche und und und war das alles doch recht anstrengend für mich. Das Wochenende brauchte ich dringend. Donnerstags liefen die Akkus leer und Freitag war mehr schlecht als recht im Büro. Mein Gedächtnis, das anfangs wie ein Sieb war, verbesserte sich auch wieder. Aber auch das schaffte ich. Ich denke das lag auch viel am Verständnis meines Arbeitgebers und meiner Kollegen. Es gibt noch mehrere Personen im Unternehmen die eine Behinderung haben und auch das tut gut. Ich bin nicht allein, nicht mehr.

 

 Ende des Jahres mischten sich wieder viele Menschen in meine Angelegenheiten ein. Diese Verletztungen belasten die Psyche und machen auf kurz oder lang krank. Das Verständnis fehlt einfach. Ich bekam mit wie über eine andere kranke Person gesprochen wurde „Ja die macht gerade nur 4 Stunden Wiedereingliederung, die ist total kaputt danach. Wie kann denn so was sein? Das ist doch nicht normal bei nur 4 Stunden!“ Wenn man eine tödliche Krankheit hat dann ist so was schon sehr normal und bei jedem sind die Auswirkungen anders. Alle über einen Kamm zu scheren geht hier nicht, ist unfair, unmenschlich und ist auch oft menschenunwürdig.

Ich stehe hier nun drüber und wenn es mir jetzt schlecht geht, dann denke ich nun“hey die Chemo war die ersten Tage auch total scheiße, aber dann ging es wieder bergauf…“ Ich lebe also mein eigenes Lebensmotto, ich bin mein eigenes Idol und ich hole mich selbst immer wieder aus allem heraus, wenn es kein anderer tut und andere noch mehr draufhauen.

img_96222015 war hart, lehrreich, gezeichnet von Liebe, Glück, Tod, Schmerzen. Loslassen und das eigene Leben so gut wie möglich leben, sich selbst glücklich machen, wenn es kein anderer tut. Bis jetzt ist der Krebs nicht zurück und ich hoffe auch, dass die Untersuchung im Januar auch nichts zeigen wird. Für jeden einzelnen Moment bin ich dankbar, ob gut oder schlecht, denn das macht mich nur noch stärker und selbstbewusster. Jeder Mensch der für mich da war, mich unterstützt und geliebt hat, danke ich von Herzen. Und wenn der Krebs mich nicht getötet hat, dann wird es sonst auch niemand anderes tun.

 

Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr, viel Freude mit euren Lieben und ganz viel Glück im Neuen Jahr. Danke für 2015, 2016 kann kommen. Schöner, besser, glücklicher, für jeden von uns.

Alle Fotos sind in Zusammenarbeit mit Patricia Schumann entstanden.


img_96332015 was the first year without cancer for me. At the beginning of the year I got my radiotherapy, then my soulmate Kerstin died because of breastcancer. 2 more funerals followed and every time I thought „This could have been me.“ I waled this way on my own, as always. My psyche was pretty messed up after all these therapies and I fell into a big hole. In May we went to Lisboa for a hen do which was amazing but because it was so stressful I got sick afterwards. Finally in summer the first good vibes. My lovely married her best friend and then I went to rehab for 3 weeks.  I was looked after so well and it felt good that finally I met peopke that had an understanding for the way I felt because everyone there had to deal with an illness.

Not many people have an understanding for what others go through and they don’t even want to hear it. „When you are young it is so much easier to get through a disease like that…“ Well maby physically but not mentally. You have so many things you want to do as a young person. Family, career, kids, wedding, getting to know the world and to be happy with the person you love. And all of the sudden it’s all gone.

There were always people who tried to tell me what to do and who put their noses into my business even without knowing what was really going on. Because it was my disease.

In August I started writing applications for jobs, a lovely neighbour helped me taking good pictures, someone else helped me with my CV. And yes it worked. I finally started my job as an assistent in project management in an internet company. Our customer, a big pharma company. It couldn’t have worked out better for me. I absolutely love my job. It felt like winning the lottery. The first 2 months were quite hard for me because I hadn’t worked for more than 1 1/2 years, I had chemo therapy, radiotherapy, a mastectomy and my psche was fucked. I totally needed the weekend to get a rest. My battery went low on Thursday and Friday was more bad than good in the office. But I even managed to get through that. I think that was also because of the understanding of my bosses and my colleagues. And we even have a few other „disabled“ people in the company. That makes it easier for me because I am not alone anymore.

img_9651-1By the end of the year some people tried to interfere again. I guess that’s because of the region I live in and where I moved to because of the love to my boyfriend. I was like a colourful bird in a grey old movie and soon people started talking bad about me. A lot of times they do not have an understaning of others and don’t even want to understand others. They have their opinion and that’s it. Once I could hear them talking about someone who was sick and just started work again. „She only works 4 hours per day and is totall exhausted, I don’t get it, it’s only 4 hours. That’s not normal, it’s only 4 hours! We work more than 10 hours per day…!“ When you are deadly sick and you have gone through therapies your body is totall fucked up and totally exhausted when getting back into life. Everyone deals in a different way with it. I don’t think it’s fair to talk like that about people you don’t even really know and what they are going through.

But now I don’t about these people anymore. I just think „hey chemo was bad for the first days, too, but then it went better…“ So this is my slogan for life, I am my own idol and every time I am down I get up again on my own if no one else is there and still tries to get me down.

img_96222015 was a hard year that tought me a lot, full of love, happiness, death and pain. Letting go and living your life the best way possible and making yourself happy when no one else does. Until now the cancer hasn’t come back and I still hope that in January nothing will show up. I am greatful for every moment if good or bad but it just makes me stronger. Every person that was there for me, supported me and loved me are the ones I am so happy to have around me. And of the cancer hasn’t killed me no one else will.

Wishing you all the best for 2016 with lots of happiness and all your loced ones and lots of luck for the New Year. Thanks for 2015, 2016 can only get better, happier, nicer for everyone of us.

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Die Wichtigkeit des Wichtigseins /The importance of being important

„Sie machen jetzt nur noch das was IHNEN gut tut“, höre ich die Ärztin immer noch sagen als sie mir die Diagnose Brustkrebs mitteilt. Und genau das tat ich auch. Ohne Rücksicht auf Verluste. Dass meine Liebsten dabei auf der Strecke blieben war mir nicht bewusst geschweige denn, dass es mir auffiel. Denn ich war ja wichtig, ich hatte Krebs und ich musste wieder gesund werden. Immer nur ich ich ich…. Alles musste sich um mich drehen und wenn es das nicht tat war ich sauer. Ich war doch krank und andere müssten das verstehen. Das Thema Brustkrebs übernahm die Macht von mir, Tag für Nacht , tagein tagaus. Ich befasste mich nur noch mit dem Krebs. „Oh da kommt eine Sendung über Krebs“ oder „morgen ist ein Krebstreffen“ waren oft an der Tagesordnung. Es ist wie eine Freundin schon sagte als würde man mit einem Ingenieur ständig über die neuesten Modetrends reden. Irgendwann nervt es den anderen denn er oder sie hat ja auch noch ein anderes Leben und möchte auch mal schöne Momente mit dem Partner erleben ohne immer wieder darüber reden zu müssen. Mein Partner versuchte mich wach zu rütteln, aber ich blieb stur, er biss auf Granit. Er musste mich verstehen, er musste Rücksicht nehmen, er musste musste musste. Ich fühlte mich für sehr wichtig, denn es war ICH die sich mit dem Tod rumkämpfte. Und das sagten mir auch die Ärzte, meine Mutter sowie andere Brustkrebspatienten. Mir wurde immer weniger bewusst, dass ich den Bezug zum Alltag und der Realität verlor. Brustkrebs, das war mein Leben, von morgens bis abends sogar bis spät in die Nacht hinein. Ich vergaß, dass mein Partner Bedürfnisse hatte und gern wieder schöne Momente mit mir verbringen wollte. Wir fuhren an die Ostsee und nach Prag, in die Sächsische Schweiz. Aber mein Motto war „Hauptsache ich und alle andere müssen sich danach richten, ich bin schließlich schwer krank und habe keine Grippe!“

Mein Blog half mir über meine Probleme zu reden, ich verarbeitete so Geschehenes und gab anderen Betroffenen Halt. Mein Partner verarbeitete es für sich, blieb ruhig und versuchte mich aufzubauen, mir Normalität zu geben. „Aber warum“, dachte ich, „Der nimmt mich nicht ernst!“ Jetzt verstehe ich warum Freunde und Partner oft so reagierten. Sie stehen Todesängste aus, wollen den Partner nicht verlieren und vergessen dabei sich selbst, wollen die traute Zweisamkeit nicht verlieren. Denn nichts ist mehr so wie es mal war.

„Jetzt ist alles vorbei, jetzt kannst du wieder neu anfangen und alles vergessen.“ Nichts ist vorbei, dachte ich, es ist immer noch alles da und es muss immer noch Rücksicht genommen werden. Ich verlangte von anderen sich in meine Lage zu versetzen um mich zu verstehen. Aber mal ganz ehrlich, wer möchte als Gesunder denn schon darüber nachdenken wie es wäre zu sterben, wie es wäre am seidenen Faden zu hängen, jeden Tag einen Todeskampf ausführen zu müssen? Keiner. Das einzige was Angehörige machen können ist einen aufzubauen, für einen da zu sein, einen wieder in die Normalität zurück zu holen. Egal wie, und das war auch gut so, und leider vergreifen sich dann auch einige im Ton was sicherlich nicht böse gemeint ist sondern lediglich Frust ist über die Sturheit des Patienten.

Heute kann ich sagen, dass das Thema irgendwann zu präsent war, ich mich eingeigelt habe, ich Angst davor hatte so etwas wieder durchmachen zu müssen und mich deshalb versuchte vor allem zu schützen. „Nein ich kann nicht weggehen, ich brauche Ruhe, nein ich kann das nicht, nein ich kann dies nicht und überhaupt und sowieso.“

Klar achte ich auf meine Gesundheit mehr als vorher, aber irgendwie hätte ich auch mehr auf mein Umfeld achten sollen. Alle versuchten mich zu verstehen, doch ich verstand keinen. Denn das Wichtigste was es gab war ich und meine Gesundheit.

Ich fühle mich als hätte es vor einigen Wochen einen riesigen Knall gegeben und ich wäre erwacht aus dieser Brustkrebsblase. Die Therapie ist zu Ende seit Februar, nur noch Tamoxifen nehme ich was manchmal etwas Depressionen auslöst, aber im großen und ganzen geht es mir gut. Ich bin zurück im Leben, habe einen tollen Job, habe ein super Umfeld was ich erst so richtig schätzen gelernt habe seit meiner Krankheit. Ich bin froh alles überstanden zu haben und hoffe, dass es auch immer so bleibt. Der Krebs bleibt ein stiller Begleiter, und das soll auch so bleiben. Er soll nicht mehr den Alltag regieren, sondern ein Thema sein, der wie eine Geschichte irgendwann zu Ende geht und nur die Erinnerung daran bleibt.


“From now on you only do what you love“ I still hear the doctor saying to me when I got diagnosed with breast cancer. And that’s what I did. I didn’t look for others, I just didn’t care. I didn’t realize that I kind of lost my loved ones on the way. I was important, I had cancer and I had to get healthy again. Always just me me me. It always had to be about me and when it wasn’t that way I went mad.

Brustkrebsmonat Oktober / Breast Cancer Awareness Month 

Der Brustkrebs Monat Oktober ist vorbei, doch der Krebs ist immer noch ein Thema. Bei mir auf jeden Fall und das wird wohl auch immer so bleiben. Doch warum ist gerade der Monat Oktober die Zeit wo auf das Mammakarzinom aufmerksam gemacht wird?

Die American Cancer Society rief 1985 den Brustkrebsmonat das erste Mal ins Leben. Diese medizinische Organisation aus den USA hat es sich seit 1913 zur Aufgabe gemacht Krebs als Gesundheitsproblem aus der Welt zu schaffen: durch das Verhindern von Krebs, Retten von Leben, Verringern des Leidens durch Krebs durch Forschung, Schulung, Verteidigung und Einsatz. Seitdem finden Events während des ganzen Monats statt, Benefizveranstaltungen vorwiegend in der letzten Oktoberwoche.

IMG_8671In Deutschland unterstützt die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe durch Aktionen und Sachinformationen. Mittlerweile gibt es viele andere Organisationen und Vereine (Haus Leben aus Leipzig z.B.) die im Monat Oktober auf und durch ihre Veranstaltungen aufmerksam machen. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei meist auf der Sensibilisierung von Krebs, andere darauf aufmerksam zu machen und Vorurteile abzubauen sowie die Angst zu nehmen. Bei vielen habe ich jedoch den Eindruck sie wollen einfach nur ganz viel Umsatz machen, indem sie Artikel verkaufen die in Verbindung mit Brustkrebs stehen… oder auch NICHT. 😀

Doch warum wird das alles gemacht? Warum muss auf diese Art und Weise auf Krebs aufmerksam gemacht werden? Laut der Krebsregisterdaten soll es einen Anstieg von Krebsneuerkrankungen zwischen 2010 und 2030 um 20% geben. Und das allein in Deutschland! Tendenz steigend.

Die Medikamente werden besser, aber auch die Krebserkrankungen steigen. Und hier frage ich mich oft: „Ist dies gewollt, damit die Pharmaindustrie mal wieder Geld machen kann? Zusammenpassen würde es ja. Wie meine Gynäkologin schon meinte solle die Immuntherapie in ca 10 Jahren die Chemotherapie ablösen, doch wer macht dann noch Geld mit einer Chemotherapie? Und die ganzen Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen? Wer braucht das alles dann noch? Wohl keiner, und hier hat die Phamaindustrie mal wieder Einbußen. Sozusagen werden wir krank gemacht, um wieder geheilt zu werden. Denn nur mit kranken Menschen lässt sich gut Geld verdienen. Nur leider wird es meiner Meinung nach immer auffälliger, da zunehmend mehr junge Menschen an Krebs erkranken was früher eher eine Krankheit bei älteren Menschen war. Bei Frauen tritt am häufigsten Brustkrebs auf, bei Männern ist es Prostatakrebs, danach kommen Lunge und Darm die gern mal vom Tumor befallen sind.

Die letzte „Wursthysterie“ versetzte alle in Angst und Schrecken. Rotes Fleisch wie Salami und Schinken seien höchst krebserregend. Aber mal ganz ehrlich, ist nicht alles irgendwie schlecht für uns, wenn wir davon mehr als genug essen? Zu viel Zucker macht fett und kann auch krebserregend sein, zu wenig Bewegung auch, zu viel Stress auch und und und. Da bekomme ich einen an der Waffel und frage mich „was kann ich überhaupt noch mit gutem Gewissen essen? Bio ist nicht gleich Bio, vegetarische Produkte sind mit krebserregenden Stoffen gespritzt, um sie länger haltbar zu machen und sich nur vegan zu ernähren sprengt manchmal den Geldbeutel und ist nicht überall möglich. IMG_9092Besonders auf dem Land wirst du dann schief angeguckt. „Was, du isst kein Fleisch?“ Nö will ich nicht mehr. Hühnchen ist mit Antibiotika versetzt, rotes Fleisch ist sowieso krebserregend und Schweinefleisch mag ich nicht, Enten finde ich süß, und mein Kaninchen würde ich niemals essen
wollen, obwohl es nur gutes von mir zu futtern bekommt. Ja ja mein kleines Pelztier, ein Jahr ist er nun schon bei mir. Wir sind uns so nahe, dass wir selbst zu Halloween ein Partnerkostüm haben. Rotkäppchen und der Wolf. Tiere geben einem einfach so viel. Sie sind treu und immer für einen da und irgendwie verstehen sie einen. Außerdem sind sie gern draußen wodurch ich auch gezwungen bin raus zu gehen. Das wirkt sich wiederum positiv auf mein Wohlbefinden aus und Bewegung ist ein guter Krebskiller.

 

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Der Monat Oktober war auch für mich sehr aufregend. Letzten Oktober verlor ich meinen Mops, diesen Oktober bekam ich das Ergebnis vom MRT: kein Krebs mehr nachzuweisen. Ich organisierte mein erstes Brustkrebstreffen in Hamburg. Und weil ich mich so darauf gefreut hatte, bastelte ich für jede von uns ein pinkes Armband mit der Aufschrift „Hilfe mit Herz“, denn so heißt unsere Gruppe. Profit wollte ich nicht daraus machen, obwohl ich mittlerweile Anfragen für diese Armbänder habe. Mir war es nur wichtig, den Mädels ein gutes Gefühl zu vermitteln und zu sagen „hey du bist nicht allein“. Es war das erste Mal seit Kerstin’s Tod, dass ich mich wieder verstanden fühlte. Für einen Außenstehenden ist es oftmals schwer zu verstehen oder sich in die Situation hinein zu versetzen was gerade in uns vorgeht. Wir redeten fast 4 Stunden lang, brunchten nebenbei, drückten uns. Die Atmosphäre war einfach nur wundervoll und der Tag hätte noch so weitergehen können. Jeder von uns war anders und doch verband uns etwas, und zwar die Rosa Schleife, die Brustkrebsschleife. Ein herzliches Treffen was unbedingt wiederholt werden sollte. Aber im Frühjahr gibt es wieder eins, und das wird noch schöner.

Es ging mir besser danach und ich freue mich schon aufs nächste Treffen der pink Ladys. Ich bin froh, dass es diese Gruppe gibt. Sie gibt mir so viel. Es ist als wären wir alle Freundinnen, doch nur wenige von uns kennen sich persönlich. Ich wünschte ich könne irgendwann mal ein großes Charity Event für all diese Frauen und deren Angehörige organisieren. Der Austausch untereinander ist wichtig, besonders auch für Angehörige, denn meist leiden diese am meisten. Sie wollen einen verstehen, einem helfen, doch meist sind sie total hilflos.

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Mittlerweile ist in mein Leben fast wieder der Alltag eingekehrt. (Irgendwie hasse ich das Wort Alltag, da es sich so normal anhört.) Ich fahre jeden Morgen zur Arbeit, arbeite 6 Stunden (was auch völlig ausreichend ist), fahre wieder nach Hause, mache die Hausarbeit, koch, spiele mit dem Hasen und falle dann tot ins Bett. Mein Schlaf hat sich total verbessert und ich freue mich jeden Morgen wieder aufstehen zu dürfen und einen Job mach zu dürfen den ich liebe und in dem ich aufgehe. Klar war es nicht schön krank zu werden, aber irgendwie hat es mich in die Richtung gebracht in die ich immer gehen wollte. Ich wollte Gutes für andere tun, mich sozial engagieren, einen Job haben den ich liebe und im Gesundheitsbereich arbeiten.

Der Brustkrebsmonat Oktober, er war aufregend, lehrreich, emotional und ich habe mal wieder viele tolle Menschen kennengelernt. Ich hätte gut und gern auf den Brustkrebs verzichten können, doch diese positiven Nebenwirkungen die er auch mit sich bringt verschönern mir die Zeit und lassen sie trotz allem noch weiterhin lebenswert sein.

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Breast cancer awareness month is over but cancer is still a big topic. Well for me it is and it will probably stay like this forever. But why is actually october the month where everyone wants to raise awareness of the mammacarcinoma?

American Cancer Society started the breast cancer awareness month for the first time in 1985. The medical organisation stands for the elimination of cancer as a massive health problem. They try to prevent cancer, safe lives, educate others. Ever since charity events are being held by the end of the month and other events about breast cancer to raise awareness.

Die dunkle Seite / The dark side

fröhliche SUDer Krebs kam, sah und siegte. Er wird auch immer irgendwie bleiben, auch wenn meine rechte Brust nicht mehr da ist. Das merke ich in den Momenten wo es mir einfach nicht gut geht, wo ich nicht weiß wieso weshalb warum. Die Tränen fließen wie ein schnellender Fluss, das Herz pocht, die Luft scheint immer weniger zu werden. Das sind die Momente wo ich nicht mehr die Su bin die alle kennen. Fröhlich, lustig, lachend, albern und viel Sonnenschein im Herzen. Die meisten sehen und kennen mich so. Das ist oft auch gut so, denn ich möchte anderen ein Beispiel sein, vielleicht auch ein Idol. Ich selbst hatte nie ein Idol, deshalb versuche ich es besser zu machen und anderen so Halt zu geben. Und weil ich auch weiß wie schmerzhaft und unglaublich hart es ist allein in so einer Situation zu sein, versuche ich für andere da zu sein. So weit es geht. Doch manchmal geht einfach gar nichts mehr.

In diesen Momenten kommt keiner an mich heran. Selbst meine Mutter oder mein Freund nicht. Am Telefon zu meiner Mutter sage ich nur schroff „Heute nicht, ich kann nicht,“ und lege auf. Ich lege mich auf die Couch, kauer mich zusammen. Alles ist zu viel. Der Fernseher dröhnt als würde eine Bassanlage neben mir stehen, das Klackern des Handys hört sich an als würden Elefanten durch die Savanne trampeln. Mit meinen Beinen strampel ich auf und ab, fahre mir zum 1000 Mal durch die Haare, die Haut juckt als wären Millionen von Spinnen im ganzen Körper. Mein Freund versucht mich zu umarmen doch ich wehre ab. „Rien ne va plus“ würde ich sagen. Nichts geht mehr. Innerlich drehe ich vollkommen durch und irgendwie will ich nicht, dass mich so jemand sieht. Wer liebt schon einen verkrüppelten Menschen der noch vollkommen einen an der Waffel hat?!?

IMG_0128Ich schleppe mich ins Bett, reiße mir die Skinny Jeans von den Beinen und das T-Shirt mit dem Bustier ohne Bügel vom Leib. Es fühlte sich an wie eine 2. Haut die endlich runter musste. Als würden mich meine eigenen Kleider ersticken.

„Deine Freunde kennen dich nur, wenn es dir gut geht. Keiner hat dich jemals so gesehen. Alle denken immer dir geht’s gut. Keiner weiß was bei uns zuhause wirklich abgeht,“ meinte einmal mein Freund.

Und er hatte Recht. Keiner weiß es und keiner wird es jemals verstehen.

Normalerweise schreibe ich recht viel mit meinen Freunden, weil sie das Wichtigste in meinem Leben sind und ich ohne sie nicht kann. An diesen Momenten lasse ich sie jedoch nicht teilhaben. Da kommt es auch oft vor, dass ich mich tagelang nicht mehr melde oder gar eine freundliche Anrede zusammen bekomme. Nur ein flüchtiges „Sorry mir geht’s nicht gut…“ und fertig ist die Nachricht. Senden. Darüber reden will ich auch nicht, es würde eh keiner verstehen, und mich stundenlang zu rechtfertigen kostet mich Kraft und Zeit die ich in diesen Momenten nicht habe.

Dass ich schwach, depressiv und ängstlich zusammen gekauert im Bett liege weiß zu diesem Zeitpunkt nur mein Freund. Und auch der ist hilflos. Denn egal was er machen will, es ist falsch.
IMG_2021Alles ist falsch, das Leben ist Scheiße und generell gibt es keinen Lichtblick mehr. Was auch? Ein Leben mit Medikamenten und Nebenwirkungen? Ein Leben voller Angst? Wie lange dieser Moment andauert ist nicht vorausschaubar. Es ist als würde ich in einem tiefen schwarzen Loch versinken und nicht mehr rauskommen. Die Gedanken kreisen, sie sind überall. Und dann auf einmal wird mir bewusst

„Scheiße, ich hab Krebs!“

Die Chemotage sehe ich vor mir wie ich vollgepumpt mit Medikamenten nur noch schlafend beim Arzt im Sessel liege oder zuhause mich immer wieder übergeben muss bis nur noch grüne Galle kam. Oder wie ich den Abend vor der OP bitterlich weinte, wie ich danach aufwachte und meiner Mama Halt geben musste, weil sie total fertig war. „Du warst kreidebleich als du zurückkamst.“ Oder wie mein Freund nach jeder OP pünktlich im Krankenhaus war, weil ich mir schon immer wünschte, dass jemand da ist, wenn ich aus dem OP zurück kam. Eigentlich hatte er genug zu tun, es war sein erstes Jahr der Selbständigkeit, und trotzdem nahm er sich frei. Ich glaube, dass es für ihn ein großer Spagat war und oft auch immer noch ist. Er wollte nie zugeben, dass er Angst hatte. Als wir einen Film über Krebs schauten, weinten wir fast und er sagte

„Ich hatte manchmal so sehr Angst um dich.“

Er bekam das alles hautnah mit und wir haben uns viel gestritten während dieser Zeit. Zuerst konnte ich es nicht verstehen, jetzt wird es mir und ihm immer bewusster was damals eigentlich passiert war.

IMG_1040All diese Gedanken und noch viel mehr spukt dann in meinem Kopf herum. Ich will, dass jemand da ist in diesem Moment, aber irgendwie auch nicht. Ich verkrafte es nicht, wenn andere mich so sehen. Ganz ehrlich, ich glaube auch, dass sie es nie verstehen würden. Da kommen dann schon mal Sprüche wie „Na aber das wird schon wieder“ oder „In den Job kommst du schnell wieder rein, war bei mir auch so“ oder „Ich hab auch manchmal einen depri, das vergeht…“ So langsam gebe ich auf meine Krankheit zu rechtfertigen, mich zu erklären, zu sagen wie es ist. Denn es will oder kann keiner so richtig verstehen. Auch wenn die Chemo vorbei ist, so braucht der Körper Jahre um sich davon zu erholen. Der eigene Körper altert in dieser Zeit um 10 Jahre. Von der Psyche ganz zu schweigen.

Die Angst ist immer da, war sie auch von Anfang an. Nur hatte ich während den Therapien nicht so viel Zeit um darüber nachzudenken. Sobald ich fertig war mit der Bestrahlung fingen die Panikattacken und Angstzustände an. Um so mehr Zeit verging desto mehr Angst hatte ich. Angst vor mir hinvegetieren zu müssen, Angst nie mehr so zu sein wie früher, nie mehr so viel Kraft zu haben wie vorher. Und vieles ist davon auch eingetreten. Mein Gedächtnis ist wie ein Sieb, das liebe Weizengras/ Wheat grassChemobrain wie ich es gern nenne. Du sagst es, ich vergesse es. Müde bin ich auch irgendwie oft. Dagegen mache ich Sport, nehme Vitamine die Schwangere nehmen sollten, trinke Smoothies mit Gersten- und Weizengras. Wenn ich zu viel anhabe schwitze ich wie ein Schwein, wenn ich Kaffee trinke sitzen 10.000 Schweißperlen auf der Stirn. Schweres Essen bekommt mir nicht und sowieso könnte ich manchmal total an die Decke springen, im Dreieck hüpfen, aus mir rausplatzen.

Wenn diese Minuten, Stunden, Tage oder manchmal auch Wochen endlich vorbei sind, sehe ich auch wieder Licht am Ende des Tunnels. Während dieser ganzen Zeit bin ich sonst kaum ansprechbar. Dann bin ich froh, wenn es vorbei ist und trotzdem frage ich mich wie schon seit Anfang der Therapien „Wie fühlt es sich an wieder normal zu sein?“

 

Diagnose Brustkrebs - Prognose Leben

 

Brustkrebsmonat: der Oktober steht im Zeichen der pinken Schleife. Teile diesen Beitrag, um andere darauf aufmerksam zu machen. Denn auch heute noch stirbt jede 4. Frau an Brustkrebs.

In Gedenken an Kerstin. 

Alles Reha, oder was? / What’s up at rehab?


1 Woche bin ich nun bei der Reha in der Rehabilitationsklinik Seebad Ahlbeck auf Usedom. So weit gefällt es mir ganz gut, das Wetter ist recht nett, nicht all zu heiß wie im Rest von Deutschland, perfekt zum Radeln. Jeden Tag habe ich Anwendungen, meine liebste ist „Bewegung in der Freizeit“. Da kann ich nämlich machen was ich will. Ansonsten gefällt mir die Wassergymnastik noch ganz gut und natürlich die Massage für meinen Nacken-Schulter-Rücken Bereich.

Ausblick beim Yoga auf den Strand in Ahlbeck
Ausblick beim Yoga auf den Strand in Ahlbeck

Einige haben auch Pilates, da hätte ich gern mitgemacht. Als ich meine polnische Ärztin darum bat, mich noch in den Pilates Kurs zu stecken sagte sie: „ Warum wollen sie denn noch was machen? Die meisten sind hier, weil sie an den Strand wollen.“  Ich bin aber nicht die meisten dachte ich mir. Bei der Schulter-Arm-Wassergymnastik war ich heute die einzige im Kurs. Also machten wir worauf ich Lust hatte. Dazu musste ich ein paar Handschuhe anziehen, die so aussahen als hätte ich Froschhände. Wie ein Reptil waren zwischen den Fingern Häute. Damit schob ich das Wasser vor mir her, hinter mich, klatschte im Wasser vor und hinter meinem Körper die Hände zusammen, schwamm vorwärts und rückwärts. Dann fragte mich die Trainerin, ob ich mal Rettungsschwimmerin war. Zu gerne hätte ich ja gesagt, aber ich war nur als Kind oft in Schwimmgruppen und war eine ziemliche Wasserratte. Schwimmen liebte ich seit ich denken kann. Da wir zu DDR-Zeiten viel an den Darß nach Prerow gefahren sind, musste ich schnell schwimmen lernen. In der Schule war ich dann eine von wenigen die schon schwimmen konnte. Das kam mir nun alles zugute und die Trainerin fragte mich, ob ich denn gern zum Aquafitness gehen würde. „Klar, sehr gern!“ Um Aquafitness jedoch machen zu dürfen muss die Bestrahlung mindestens 12 Wochen zurück liegen. Die Haut ist nach der Bestrahlung sehr sensibel und Chlor reizt da nur viel zu sehr. Während der Bestrahlung sollte natürlich auch kein Wasser an die Haut kommen. Solange es nur ein paar Tropfen sind, keine aggressive Seife dabei ist, dann ist das jedoch kein Problem.

Nach der Wassergymnastik zog ich mir meinen Bademantel über, schlüpfte in meine Schlappen und lief in diesem Aufzug runter zum Strand. Dann schmiss ich meinen Bademantel auf den Sand und flitzte schnurstracks ins Meer für eine kleine Abkühlung.

Strand im Seebad AhlbeckDer Strand hier ist so breit, da hat wirklich jeder Platz. Hier liegen die Urlauber nicht wie in Scharbeutz oder Timmendorf wie die Sardinen Handtuch an Handtuch. Viele der Klinikpatienten gehen hier zum Strand. Sei es zum Sonnenbaden oder zum Spazieren, oder sie sitzen einfach nur auf den für sie vorhergesehenen Bänke direkt an der Promenade und beglotzen andere.

Insgesamt muss ich sagen, dass die Anwendungen mit 20 Minuten sehr kurz sind. Sobald ich mich darauf eingelassen habe, ist es auch schon wieder vorbei. Die Ärzte gehen nicht gerade aktiv auf die Wünsche des Patienten ein und generell gibt es nicht viel Auswahl. Bei manchen Anwendungen frage ich mich was ich dort zu suchen habe. Zum Beispiel sitze ich mit Senioren auf einem Stuhl, vor mir ein Handtuch worauf meine Füße ein Wort auf das Handtuch schreiben müssen und am Ende müssen wir aus dem Handtuch mit den Füßen einen Apfelstrudel bastel. „Bitte?“ Ja genau das habe ich mir auch gedacht. Naja…

Zimmer in der Reha Ahlbeck
Zimmer in der Reha Ahlbeck

Es ist schon übel wie manche sich hier aufführen. Den meisten Senioren hier geht es gesundheitlich recht gut, auch der Hühnerclique an unserem Nachbarstisch. Sie denken sie wären hier in einem 5 Sterne Hotel und regen sich noch darüber auf, dass es zum Frühstück keinen Kuchen gibt und nachmittags kein Kaffee&Kuchen angeboten wird. Sehe ich mir jedoch die Patienten hier an, so stelle ich fest, dass die meisten von ihnen definitiv nichts davon mehr zusätzlich vertragen könnten. Täglich pflaume ich Patienten am Brotkorb an, weil sie mit den bloßen Händen sich ein Brötchen greifen, obwohl da steht „Bitte eine Brotzange benutzen“. Ich jedoch bekomme Zwischenmahlzeiten, weil die Ärzte Angst haben ich könne durch den ganzen Sport hier noch mehr an Gewicht verlieren und dann könnten keine geilen Hupen mehr bei mir gebastelt werden.

Das Personal ist auch nicht immer das netteste, einige von uns haben da schon schlechte Erfahrungen gemacht. Auch werden Patienten nicht immer gleich behandelt ganz nach dem Motto „Es muss erst ganz schlimm sein bis etwas passiert“. Meine psychologiche Betreuung hatte ich bis jetzt auch noch nicht, es steht auch nichts auf dem Plan. Meine Freundin musste es erst noch erwähnen bis sie es dann doch noch bekommen hat. Der Chefarzt der Onkologie, Herr Dr. Keppler, ist ein alter Hase auf seinem Gebiet, weiß viel, ist auch recht nett, wirkt aber manchmal als hätte er sehr sehr viel zu tun. Ich denke, dass mehr als 200 Patienten einfach zu viel für eine Reha-Klinik sind.

Es herrscht strengstes Alkohol- und Rauchverbot, woran sich aber nicht alle halten. Werden sie erwischt, können sie mit Sicherheit die Klinik sofort verlassen. Es gibt jedoch einen Raucherraum außerhalb der Klinik wo aber keine Fenster geöffnet werden und die Raucher dort kaum von außen zu erkennen sind durch den Rauch der dadrin ist.

Das Reha Programm geht von Montag bis Samstag, wobei am Samstag nur der halbe Tag etwas gemacht werden muss. Um Sportarten in der Feizeit machen zu dürfen, muss auf meinem Plan die jeweilige Sportart aufgelistet sein. Ansonsten darf ich es nicht machen. Ich darf eigentlich alles machen. Sogar Nordic Walking. Ganz ehrlich, diese Sportart ist so langweilig, ich musste selbst den Therapeuten fragen was das für einen Sinn macht. „Es ist wie Ski fahren,“ meinte er. „Toll, ich gehe aber nur snowboarden,“ antwortete ich zurück. Tja dumm gelaufen. Diese Art des Laufens ist mir zu blöd, so dass ich Dienstag Morgen um 7 einfach den Termin fürs Nordic Walking am Strand verpasst hatte. Das Bett war einfach viel zu gemütlich. Und weil ich die Nacht vorher nicht geschlafen hatte, konnte ich auch gar nicht aufstehen um diese frühe Uhrzeit. 😀

Am Wochenende haben wir uns Fahrräder ausgeliehen (Kosten in der Klinik für einen Tag 4,50€), mit denen wir dann nach Swinemünde / Polen gefahren sind. Dort gibt es wie früher einen Polenmarkt der megalang ist. Die Preise jedoch haben sich den deutschen Preisen angepasst. Die wissen schon, dass deutsche Urlauber gern dort einkaufen, besonders die Ossis. Wozu ich mich menatürlich auch zähle, naja ich bin eher ein Wossi. Halb Westi, halb Ossi. Yoga gibt es hier auch, die Kosten muss man mit 12€ selbst tragen. Außerdem werden am Wochenende Ausflüge nach Rügen, Strahlsund, Polen angeboten. Im Dünentreff, einem kleinen Café gibt es Kaffee und Kuchen und kleine Souvenire und Dinge die man alltäglich braucht falls man etwas vergessen hat. Zum Sky Supermarkt ist es aber auch nicht weit, ca 5 Minuten zu Fuß. Die Zimmer sind fast alle ohne Meeresblick, außer die im Rosenhof. Die Zimmer dort sind mit 2 Betten ausgestattet und ca 8 oder 9 Zimmer haben etwas Meeresblick und liegen direkt an der Strandpromenade.Per Strandpromenade geht es schnell ins Innere von Ahlbeck wo es viele Läden zum Shoppen, eine Sparkasse und andere Banken gibt sowie viele Restaurants und Bars. Am Strand von Swinemünde jedoch ist etwas mehr los. Am Meer gibt es Beachclubs mit leckeren Cocktails und Palmen und Hüpfelemente auf dem Wasser sowie auf der Promenade unzählige Fressbuden, Shops und Restaurants.

Meistens gehe ich abends nochmal Inline skaten auf der kilometerlangen Strandpromenade, laufe oder jogge am Strand entlang oder sitze mit Christel, einer älteren Dame aus Auerbach im Vogtland, im Wiener Café und trinke ein Vitamalz.

vortrag Reha Seebad AhlbeckManchmal gibt es noch ein paar Vorträge über Krebs vom Chefarzt. Doch da habe ich mich letztens gefragt, ob der eigentlich bezahlt wird für das was er sagt. Die Pharma Industrie will einfach nur Geld machen und nutzt dafür alles was geht, um für deren Produkte und Erklärungen Werbung zu machen.

Leider gibt es hier kein WLAN auf den mehr als 200 Zimmern, deshalb muss ich in einen Aufenthaltsraum gehen wo die Telekom Hotspot Plätze zu horrenden Preisen anbietet. Gott sei dank habe ich eine liebe Freundin die mir mit ihrem Telekom Vertrag den Online Zugang ermöglicht. Meistens werde ich dann gegen 23 Uhr wegen Nachtruhe dort rausgeschmissen.

Hier laufen ziemlich viele komische Leute, die adipös sind, rauchen, einen voll an der Klatsche haben, verwirrt sind, immer nur rummeckern oder traurig sind. Aber eines haben wir alle gemeinsam: wir alle sind krank und hoffen, dass es uns irgendwann wieder besser geht. Wir sehnen uns nach einem Leben, dass wieder harmonisch und gesund verläuft. Dafür kommen wir zur Reha, Kur oder AHB (Anschlussheilbehandlung), weil unser Körper, Geist und unsere Seele nach dieser langen Krankheitsphase endlich wieder vollkommen geheilt werden soll.

Fazit:

Die Reha-Klinik ist ganz ok, jedoch hätte ich mir bis jetzt mehr gewünscht oder mir gewünscht, das mehr auf mich und meine Probleme eingegangen wird. Die Anwendungen sind viel zu kurz und die Leute hier sind auch nicht so recht mein Fall. Diese Klinik hat einen Vertrag mit der Rentenversicherung Mitteldeutschland, Baden-Württemberg und Heringsdorf auf Usedom. Es fühlt sich eher an als wäre ich in einem 3 Sterne Hotel wo Dienstag, Donnerstag und Samstag die Wäsche gewechselt wird, das Buffet jeden Tag fast das gleiche ist, es keine vegane Ernährung gibt und generell Patienten mit Allergien oder Problemen mit Lebensmitteln hier die A-Karte gezogen haben. Die Nähe zum Strand und die Lage auf der Insel reißen diese Defizite jedoch wieder heraus. Mit großen Erwartungen sollte man hier jedoch nicht hinkommen.

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Since one week I‘ve been to rehab at the Baltic Sea in the Seebad Ahlbeck. I like it so far, the weather is nice, not too hot, perfect for cycling. Every day I have got to do some exercises and my favourite one is exercising in your free time. It‘s because I can do whatever I want. Apart from that I love water sports and getting a massage for my tensed back.

Some of the patients can do Pilates which I would love to do, too. When I asked my Polish doctor for the Pilates course  she said: „Well, why do you want to exercise more? Everyone else here

Ausblick beim Yoga auf den Strand in Ahlbeck
View during Yogato the beach of Ahlbeck

wants to go to the beach.“ But I‘m not everyone else, I thought.  I was the only one during the exercise in the swimming pool so we did what I wanted to do. For that I had to wear gloves which looked like the hands of frogs. Like that it was harder to move the water in front and behind me. Then the therapist asked me if I had worked as a lifeguard before. Well I wish but I used to be in swimming groups when I was younger. Since my childhood I loved swimming and because in the DDR we used to go to the beach a lot I had to learn swimming from an early age. So the therapist asked me if I wanted to do aqua fitness which totally surprised me. „Sure!“ I replied. But the last radiotherapy had to be at least 12 weeks ago because the chlorid water was too aggressive for the radiated skin. During radiotherapy you should be careful with water but if some drops came onto your skin it wasn‘t that bad. Only shower gel and other stuff wasn‘t allowed.

After the exercises in the water I put on my dressing gown and shoes and went down to the beach for a little cool down. The beach here is so wide that everyone has enough space for sunbathing. It‘s not like at the beaches of Scharbeutz or Timmendorf where people are straight next to each other with their towels. A lot of the clinic patients here go to the beach, whether for sunbathing or walking on the beach, or just sitting down on the benches right on the beach watching other people.

In general I have to say that the exercises are quite short with only 20 minutes. As soon as I am into it it‘s already over. The doctors really don‘t go into detail and in my opinion they do not look that well after their patients. There is not much choice of exercises and during some exercises I ask myself why I am doing this. For instance, when I am at this course surrounded by old people who are writing their name with their feet on a towel and after that making a n apple pie with the towel. „What?“ Well yes, that‘s exactly what I thought.

Zimmer in der Reha Ahlbeck
Room at Rehab Ahlbeck

Some of the patients act really weird. Most of the seniors are in a good state like the chick flicks on the table next to us during breakfast and dinner. They think they are in a 5 star hotel and complain that the clinic doesn‘t offer cakes for breakfast or a little afternoon coffee. Looking at the patients though I feel like non of them should really have any of that by the look at their fat bodies. In contrast to that I get extra meals because the doctors are too worried I might loose more weight because of the exercises I‘m doing. And when I‘m loosing weight it‘s harder to build new boobs out of my own fat.

It is not allowed at all to smoke or to drink alcohol but there are some who are doing it. In case they get caught they have to leave the clinic straight away. Rehab programme is from Monday to Saturday but Saturday is only half of the day. To be able to do sports your programme should say it on your personal clinic card but in general I am allowed to do anything I want. Even Nordic Walking, a sport where I don‘t really get the sense of it. It‘s so boring that I even asked the therapist about it and he said „It‘s like skiing…“ And I said: „Well I don‘t go skiing, I go snowboarding.“ I really don‘t like this sport so I missed the course at 7 in the morning and my bed was way too comfortable. And because I couldn‘t sleep the night before it was too early for me to get up anyway.

We rented some bikes on the weekend for 4,50€ per day and drove to Swinemünde which is in Poland. They still have the Polish markets there but the prices are the same as in Germany. The Polish know that the Germans love to go shopping there, especially the Eastern Germans. I am one of them, too, but also a Western German so I am like a Weastie.

vortrag Reha Seebad AhlbeckMost of the time I go inline skating in the evening at the seafront or I sit in a little café with my friend Christel and I go running or for walks at the beach. Sometimes there are presentations about cancer by the chief doctors and I asked myself if they are paid by the pharma industry for what they are saying. The pharma industry only wants to make money and uses everything they can to advertise their products.

Unfortunately there os no wifi at any of the more than 200 bedrooms so I have to go to a public room with wifi offered by the Telekom but with an enormous price. Thanks to a good friend I can use her account and most of the time I get kicked out of it by 11 pm by one of the clini nurses.

meThere are many weird people walking around here who are quite obese, who smoke and who have lost the plot, who are quite confused, who are moaning all the time or who are quite unhappy with their situation. But there is one thing we have all in common: we are all sick and we hope that our life will get better one day. We long for a harmonic and healthy life again. And that‘s why we come here to heal our bodies, mind and souls after all that time full of therapies and stress.

Reha für Körper, Geist & Seele / Rehab for body, mind & soul

Als Krebspatient habe ich Anspruch auf eine Rehabilitation oder auch Anschlussheilbehandlung, kurz AHB, genannt. Normalerweise sollte diese spätestens 6 Wochen nach Beendigung der Bestrahlung anfangen und die letzte Bestrahlung war folglich am 11.2.2015. Ja lange ist’s her 😀

Insel Usedom
Insel Usedom
Zuerst lag mein Antrag noch wochenlang bei meiner Onkologin auf dem Schreibtisch herum, dann genehmigte die Deutsche Rentenversicherung mir meine Wunschklinik nicht. Zu Anfang der Therapie sagte mir der Sozialdienst im Krankenhaus „Als Krebspatient dürfen sie hin wo sie wollen, egal wie weit die Klinik ist, suchen Sie sich eine aus.“ Das tat ich dann auch und wollte nach Boltenhagen. Eine kleine aber feine Klinik mitten am Meer speziell für Brustkrebspatienten. Die Deutsche Rentenversicherung schickte mir einen Brief zurück ich solle in den Harz, nach Teufelsbad. Ne ganz sicher nicht, erst der Name und dann noch diese schlechten Bewertungen im Netz. Da wollte ich nicht hin, nie und nimmer. Also legte ich Widerspruch ein. Die Dame am Telefon half mir etwas und sagte „Schreiben Sie Ihre Gründe rein, zu 80% wird das dann genehmigt.“ Wurde es aber nicht und ich bekam wieder eine Einladung ins Teufelsbad zum Teufel noch mal. Also hieß es wieder Widerspruch einlegen. Ende Mai dann der nächste Brief. Freitags kam ein Brief, indem stand ich solle meinen Widerspruch zurückziehen, Samstag darauf kam die Zusage für die Klinik in Bad Ahlbeck auf Usedom. Direkt am Strand, für Krebspatienten ausgelegt, mit der längsten Strandpromenade Europas. Perfekt, nehme ich! Dann noch unendlich viel Papierkram ausfüllen, die Krankenkasse informieren, meine Gynäkologin, meine Onkologin und schwuppdiwupp durfte ich gestern, den 15.7.2015, auf Usedom anreisen. Sind ja auch nur 5 Monate später nach der Bestrahlungstherapie. Aber jetzt ist wenigstens Sommer.

 

Gegen Mittag kam ich an, bekam meinen Schlüssel für die kleine Suite, holte mir einen Kofferkuli und schmiss darauf die 5 Gepäckstücke. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich hatte alles mitgenommen was bei mir zuhause im Schrank war. Egal, ich weiß ja nicht was hier auf mich zukommen wird. Bademantel, Badesachen, Wanderschuhe, Strandhandtuch, Tee, Weizengraspulver, Laptop, Trinkflasche, Flipflops, Turnschuhe, Inline Skates, Yoga Matte und und und. Meine Sachen verstaute ich erstmal in meinem Zimmer. Das Zimmer besteht aus einem geräumigen Bad, einem Zimmer mit Bett, Sessel, Schreibtisch, Couchtisch, 2 Kleiderschränken, TV, Spiegel und einem kleinen Balkon. Eine Single Honeymoon suite nur für mich. Herrlich! Endlich mal alles nur für mich hier.

Klinik Bad Ahlbeck
Klinik Bad Ahlbeck
Als erstes musste ich zur Schwester ins Zimmer. Kurze Erklärung wo wann was am ersten Tag ist, Chipkarte geladen und wieder zurück, ein Laken für alle Untersuchungen in die Hand gedrückt und schon war ich fertig. Dann parkte ich mein Auto auf dem Parkdeck, holte mir einen Tee mit einem sehr fettigen Zupfkuchen und verschwand wieder im Zimmer. Ab 14.15 erwartete ich den Anruf meiner Ärztin. Dann rief sie an. In einem deutsch-polnischen Akzent versuchte sie mir zu sagen ich könne nur zu ihr kommen.

„Also ich bin jetzt da, sie können dann bald kommen, also gleich, vergessen Sie ihr Lakken nicht!“ stammelte sie. „Bitte was? Ein Lakken?“ fragte ich verdutzt. Ich war total verwundert und wusste gar nicht was die Dame am anderen Hörer von mir wollte. „Ein Laken“ erwiderte sie. „Ah ok, ich komme.“ Ich schnappte mir mein ‚Laken‘ und ging zu ihr rüber ins Arztzimmer. Dort machte sie eine umfangreiche Bestandsaufnahme von mir, meinem Körper, meiner Psyche. Sie war ca 45 Jahre alt, hatte zottelige rote schulterlange Haare mit einem Pony und sprach ganz gut deutsch, jedoch mit einem stark rollenden R. Als ich ihr versuchte zu erklären welchen Abschluss ich habe, wusste sie trotzdem nicht wie Bachelor buchstabiert wird. Also fing ich auf ihrem PC an zu tippen. Dann musste ich mich ausziehen und der Rotschopf fuchtelte mit einem Maßband an mir herum. „Sie müssen zunehmen, sonst können wir keine gute neue Brust für Sie aus Ihrem Fett formen.“ Ne das hatte ich auch nicht vor, dachte ich. Hier wird nicht mehr rumgeschnippelt. Da kommen Plastikmöpse rein und gut ist. Will doch nicht aussehen wie Edward mit den Scherenhänden der überall Narben hat. Früher war ich ja immer gegen plastische Chirurgie, Natur pur war mein Motto. Aber jetzt, wo es gar nicht mehr anders geht, freue ich mich schon auf meine neuen prallgefüllten Hupen. Wenn schon, denn schon.

Strand Bad Ahlbeck
Strand Bad Ahlbeck
Nach mehr als 1 Stunde waren wir fertig. Ich konnte es kaum erwarten und lief zum Strand. Das Meer, die Ostsee, die Sonne. Genau wie früher als ich klein war und wir immer an der Ostsee waren oder als ich noch in Hamburg wohnte. Oder auf Ibiza als ich mit Freunden in einem Apartment direkt am Meer wohnte und das Meer rauschen hören konnte. Und jetzt drei Wochen mitten im Sommer hier. Ein Traum ging in Erfüllung. Nach meinem Spaziergang gab es Abendbrot. Die Tische waren mit Namenskärtchen versehen, jeder hatte seinen Platz. An meinem saßen noch 2 andere Mädels. Die eine hatte Atemwegserkrankungen, die andere auch Brustkrebs. Nur leider kam sie damit gar nicht zurecht, sie hatte nur noch negative Gedanken und mied jeden Kontakt. Also sagte ich zu ihr: „Häng doch mit mir hier ab die nächsten 3 Wochen, ich bin mehr als positiv und bringe dich garantiert wieder zum Lachen.“ Die arme Maus weinte immer wieder. Morgen sehen wir uns wieder, mal schauen wie es ihr dann geht.

Meine Inliner holte ich nochmal aus dem Auto und rollte über die lange Strandpromenade vorm Schlafengehen. Meinen Plan habe ich für die nächsten Tage auch schon, sogar am Samstag habe ich Programm. Psychologische Betreuung, Übungen für meine Nackenprobleme, Bewegung in Freizeit, Sportgruppe, Jacobson-Entspannung, Nordic Walking, Wassergymnastik, Gymnastik und Spiel (was auch immer das heißen mag).

So sieht es soweit aus, der Plan kann sich täglich ändern, Chefarzt-Visite ist auch dabei und morgens um 6.50 Blutabnahme. Ich freue mich. Endlich mal Zeit nur für mich und meinen Körper. Endlich werde ich betüddelt von vorn bis hinten.

 


 

ENGLISH VERSION

As a cancer patient you have the right to go on a health treatment after all therapies. Normally you should start it at least 6 weeks after your last radiotherapy. So mine was actually on 11th February 2015 which is quite long ago.

My oncologist must have forgotten my application for my health treatment so it took a while and then the German pension insurance didn’t approve my application for the health clinic I wished for. At the beginning of my therapies the social worker told me that as a cancer patient you have the right to go to any health treatment you choose. So I chose Boltenhagen a little but nice clinic right next to the Baltic Sea and close to Hamburg. But the insurance denied it and proposed a clinic I really didn’t like. Teufelsbad (devil’s bath). A clinic with a bad reputation in an area I really didn’t want to go to. So I entered an objection. The lady on the phone advised me what to write. “ The insurance will accept it by 80%.“ They didn’t though so I had to enter an objection again. Finally they proposed another clinic to me which was al the Baltic Sea, too. Right at the beach, for cancer patients including the longest seafront of Europe. I filled out the forms, informed my oncologist and gynacologist and suddenly I was travelling to Usedom on 15th July 2015. Only 5 months later after finishing radiotherapy but hey who cares, it’s summer now!

Usedom
Island Usedom
I arrived just after lunch, checked in like in a hotel, got my keys for my little suite, got a bag carrier and threw my 5 bags onto it. Somehow I had the impression I took everything I had from my wardrobe. Dressing gown, bikini, trekking shoes, beach towel, tea, wheatgrass powder, laptop, drinking bottle, flipflops, sneakers, inline skates, yoga mat and so on. I put my clothes into my bedroom which was equipped with a big bath, a bed, an armchair, a desk, a little couch table, 2 wardrobes, tv, mirror and a little balcony. A single honeymoon suite just for me.
Amazing! Finally everything just to myself.

„Well I am here now, so you can come here soon, or yes come here now. And don’t forget to bring your shit.“ „My what? A shit?“ I asked her really surprised. „Your sheet.“ Ah ok well then I took my sheet and went to see her. It felt like a big inventory control of me, my body and my soul. She was about 45 years old, had red frizzy hair with a fringe and spoke quite good German but she rolled the R really strong. When I tried to explain to her what kind of degree I got she didn’t quite know how to spell it so I typed it in her computer. After that I had to get my top and jeans off. The redhead waved about with a measuring tape. „You have to put on some weight otherwise we can’t form a new boob for you.“ Well I didn’t even plan to have a boob made out of my fat. Otherwise they will cut a bit more on my body and then I will look like Edward with the Scissorhands full of scars. Long time ago I used be against plastic surgery but now that they have taken my boob off I can’t wait to have some right big boobs.

Strand Bad Ahlbeck, Usedom
Beach Bad Ahlbeck, Usedom
We were done after more than one hour. I couldn’t wait so I ran down to the beach. The ocean, the Baltic Sea, the sun. Just the way it used to be in the olden days when we used to go to the Baltic Sea and when I lived in Hamburg. Or when I lived next to the beach in Ibiza, where you could hear the sound of the waves. and now I had the chance to be here for the next 3 weeks. It felt like a dream came true. After a long walk on the beach I went back for dinner. Every table had name plates, everyone had their own seats. There were two other girls sitting on my table. I started chatting to them straight away. One of them had respiratory problems, the other one had breast cancer, too.But somehow she couldn’t cope with it and was very negative, she could hardly talk about it and started crying. So I told her „Hey just hang out with me the next few weeks, it’s a lot of fun with me and I will cheer you up.“ I will see her again tomorrow, see how it goes.

I grabbed my inline skates and rolled down the seafront before going to bed. I already got a programme for the next few days, I even have a programme for Saturday. Psychological support, exercises for my neck, exercising in my time off, exercise group, relaxation after Jacobson, nordic walking, water gymnastics, gymnastics and game (whatever that means…).

That’s the plan for the next few days but it can change on a daily basis. Ward round every morning with the chief physician and blood draw at 6.50 am just before breakfast. I am so happy to be here. Finally I have time for myself and my body and finally everyone is looking after me.

Freiheit, Hippies, Ibiza / Freedom, Hippies, Ibiza

Ibiza sonnenuntergang, Sunset IbizaVor genau zehn Jahren kaufte ich mir ein Flugticket nach Ibiza. Einen Rückflug 6 Wochen später buchte ich mir zur Sicherheit schon vorab, denn ich wusste ja nicht was auf mich zukommen würde und ob ich am Ende noch Geld in den Taschen für ein Ticket haben würde. Doch es kam alles anders.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ging mein Flug. Alles was ich bei mir hatte war eine kleine rote Reisetasche und 150€. Mehr besaß ich nicht. Im Jahre 2000 besuchte ich das erste Mal diese tolle Insel und war sofort verliebt in sie. Und ich wusste, dass ich irgendwann wiederkommen würde. Eine Freundin von mir flog mit, sie blieb 3 Wochen.

Kurz nach Mitternacht landeten wir, ein Hotel oder irgendeine Unterkunft hatten wir nicht. Egal, Hauptsache Ibiza. 2 Typen boten uns an bei sich auf dem Boot für die erste Nacht unterkommen zu können. Ich dachte mir, die wollen sicher mehr. Also sagte ich vorab schon mal: „Wir kommen gern mit, aber mehr ist da auch nicht drin. OK?!“ „Alles klar“ anwortete der Typ von Freenet. Gesagt, getan. Wir brachten unsere Sachen aufs Boot, zogen uns um Mambo's Ibiza Sunsetund liefen nach Ibiza Stadt rein. Schnell noch was essen, trinken und einfach nur sich berieseln lassen vom Trubel und der Schönheit dieser Insel. Auf dem Rückweg zum Boot trafen wir zwei andere Typen, die fürs Pacha arbeiteten. „Wir gehen ins Pacha, kommt ihr mit?“ Klar, warum nicht, dachte ich mir. Der Eintritt war selbstverständlich kostenlos für uns. Bis in die frühen Morgenstunden tanzten wir zu Martin Solveigbis es zurück zum Boot ging. Es war schon längst hell und wohlig warm. Die beiden Typen vom Boot waren auch schon wach und bereiteten sich auf einen Tag auf Formentera vor. Und das konnten wir uns natürlich entgehen lassen. Die Fahrt auf dem blauen Meer dauerte ca 1 Stunde, dort angekommen war es wie im Märchen. Das Wasser glasklar, so dass ich den Meeresboden sehen konnte. Um uns herum lauter Yachten und Boote die vor der Küste den Tag verbrachten. Der Strand mit weißem, warmen Sand gefüllt. Und dann kam es, der Typ wollte eingecremt werden auf seinem Rücken. Na gut, dafür, dass wir den Tag mit nach Formentera durften machte ich es. Nur blöd, dass er nicht wirklich gutaussehend war. Sein Waschbrettbauch gleichte eher einem Waschbärbauch, die Beschaffenheit seiner Haut eher einer Kraterlandschaft. Egal, für den ersten Tag auf Ibiza hatte es sich gelohnt.

tidyIn den nächsten Wochen suchten wir uns Jobs, verteilten zuerst Flyer am Strand, tanzten in Clubs für Hed Kandi oder Tidy, schliefen bei irgendwelchen Leuten bis wir eine schöne Unterkunft in einer Villa in San Antonio fanden. Dort wohnten wir mit 2 Franzosen den ganzen Sommer über. Meine Freundin flog nach 3 Wochen Ibiza zurück, ich nach 6 Wochen. Jedoch buchte ich mir ein Ticket für den nächsten Tag nach Ibiza zurück. Ich liebte diese Insel schon zu sehr. Dieses einfache Leben mit Menschen aus aller Welt. Es ging einfach nur darum Spaß zu haben, das Leben zu genießen und glücklich zu sein. Ohne Vorurteile, ohne Hass, ohne Neid.

Irgendwann hatte ich einen coolen und guten Job. Ich arbeitete für Cream am Donnerstag Abend im Amnesia und für Tiesto am Montag Abend im Privilege. Gästeliste, Ticketverwaltung, PR organisieren. „Ihren Namen bitte?“ Und da stand er, David Guetta mit Frau, sie wollten sich Tiesto Mambo's Ibiza Sunsetansehen und ich erkannte ihn nicht mal. Aber das war nicht schlimm, denn auf Ibiza ist keiner lange böse auf einen. „We‘re here for a good time“ war die Devise. Ob mit Kate Moss im Space zu tanzen, mit Skin von Skunk Anansie im Cocoloco Room vom Privilege auf der Bar abzuhotten oder mit Keith Palmer von Prodigy im Es Paradis einen kleinen smalltalk zu halten. Ja das alles ist auf Ibiza möglich, und dafür liebe ich es. Freiheit, Spaß und ein Fünkchen Hippiefeeling mit Magie gepaart.

Villa Party, Beach PartyGenau die richtige Mischung für ein glückliches Leben am Meer. Es gab Tage da war ich jeden Tag auf einer Party, konte mir ja nix entgehen lassen.

Die Menschen hier waren offen und freundlich, nahmen einen herzlich auf und baten ihre Hilfe an. Ganz anders als im normalen Leben.

Ich kam nicht mehr nach Deutschland zurück. 4Jahre lang nicht. Bis ich irgendwann merkte, dass ich mehr vom Leben wollte. Also ging ich zurück nach Deutschland, fing mein Studium an und erkrankte kurz danach an Brustkrebs.


 

Ibiza sonnenuntergang, Sunset IbizaExactly ten years ago I bought myself a ticket to Ibiza. To be safe I got a return 6 weeks later because you never know what could happen to me. Just in case I had no money left at the end and to make sure I was able to fly back home. But somehow it all turned out in a different way.

My flight was at night from Wednesday to Thursday. And all that I had with me was a little bag full of clothes and 150€. I‘ve been to Ibiza before in the year of 2000, fell in love with the island and I always knew that I would return one day. A friend of mine came with and stayed for 3 weeks. We landed just after midnight, but we didn‘t have a hotel or somewhere to stay. Never mind, at least we are in Ibiza. 2 guys offered us to stay with them on their boat for the first night. I thought that there was more to that so I added „We‘ll be happy to stay with you but nothing more! OK?“ „No problem,“ said the guy of Freenet. Said and done. We took our stuff to the boat, got changed and walked into Ibiza town. We got some food, something to drink and went back to the boat. On our way we met some guys who asked us if we wanted to join them to go to Pacha. „Why not“ I thought. Because these 2 guys worked for Pacha it was absolutely free for us to get in. We didn‘t stop dancing at the Martin Solveig Party until sunrise. It was already nice and warm outside. Arriving back at the boat the 2 guys were already up and about, getting ready for the day at Formentera. That was too good to be true and of course we couldn‘t miss that! It took us about 1 hour Mambo's Ibiza Sunsetdrive to the little island and it felt like I was in paradise when we got there. The water was so clearblue that I could see the bottom of the ocean. Surrounded by many other beautiful yachts and little boats with people spending the day at Formentera. The beach filled with white warm sand. All of the sudden it happened that the guy asked me to put some suncream on his back. I did it as a favour because they took us to Formentera. It was just not nice to do so as he had more the type of a racoon belly than a six pack. Oh well, despite that we did quite alright for our first day in Ibiza I guess.

tidyDuring the next few weeks we were looking for jobs, worked at the beaches handing out flyers, danced in clubs for Hed Kandi or Tidy, slept at some random peoples houses until we found a lovely villa in San Antonio where we lived with 2 French guys.

My friend flew back home after 3 weeks, I went back home after 6weeks. But I got a flight back the next day because I loved this magical island so much. It was an easy life with people from all over the world. It was all about having fun, enjoying life and being happy.

No prejudices, no hate, no envy. After a while I got a good job. I worked for Cream in Amnesia on a Mambo's Ibiza SunsetThursday night and for Tiesto at Privilege on a Monday night. Guestlist, ticketing, PR. „Your name please?“ And that was Mr David Guetta himself but I didn‘t recognise him. But that wasn‘t that bad because is mad at someone for a long time over there.. „We‘re here for a good time!“ we used to say. Dancing with Kate Moss in Space, totally giving it at the Cocoloco room in Privilege with Skin from Skunk Anansie or having a chat with Keith Palmer from Prodigy in Es Paradis. It was all possible in Ibiza and that‘s why I loved it so much there. Freedom, happiness and a hippie feeling paired with a bit of magic.

Villa Party, Beach PartyIt was the right mixture for a happy life next to the beach. At some point I just had to go to every party that was happening on the island. It was just too goo and I couldn‘t miss that. The peop,e here were open-minded and friendly, welcomed everyone and helped each other. Totally different to the normal life.

I didn‘t return for 4 years until I realized that this wasn‘t fullfilling me. So I moved back, started studying and got breast cancer.