Im Ärzteparadies / Doctor’s Paradise

doctor doctor can't you see I' burning burning Alle drei Monate habe ich eine Kontrolle meines kompletten Körpers. So war der Deal. Seit meiner Brust-OP im Oktober hatte ich jedoch keine. Als ich am Donnerstag dann endlich zu meiner Onkologin fuhr guckten mich die Arzthelferin dumm an „Sie haben einen Termin? Heute?“ Ich wusste gar nicht was ich sagen sollte. so ging das dauernd. „Ja um 9.45 Uhr. Hatte es mir gleich in mein Handy eingetragen…“

Ich durfte bleiben und nahm im Wartezimmer Platz. Jetzt hieß es wie immer WARTEN. Warten bis ich dran kam, warten auf ein Ergebnis, warten, warten, warten. So ging das schon seit einem Jahr. An meinem ersten Besprechungstag wartete ich sechs Stunden im Krankenhaus. Dann wieder beim Onkologen 2 Stunden, im Uniklinikum drei Stunden und so weiter.

Zuerst musste mein Gewicht gemessen werden: 51kg. Dann Blutdruck: 121 zu 74, war ganz passabel für mich, denn normalerweise habe ich einen niedrigen Blutdruck, so was wie 80 zu 50. Einmal meinte ein Arzt zu mir, ob ich noch schlafe, weil der so niedrig war. Klar ich träume immer noch und das seit März 2014. Ich träume ich hätte Brustkrebs, aber irgendwie scheint dieser Traum nicht aufzuhören. Ein Albtraum aus dem ich jeden Tag wieder aufwache, ein Albtraum der jedoch nie  ein Ende zu nehmen scheint.

Nach der ersten „Überprüfungsphase“ durfte ich wieder ins Wartezimmer, warten. Dann endlich: „Frau Sommerfeld. Bitte schon mal oben rum freimachen!“ Klar machte ich sofort. So viel zum Freimachen gab es ja nicht bei einem Mops. Beim Ultraschall war alles unauffällig, keine Metastasen zu sehen. Puh! Die Onkologin rollte das Ultraschallgerät gefühlte 1000x über meinen linken Mops, dann runter zu den Eingeweiden und nochmal rüber zur rechten Seite. Eine Medizinstudentin war die ganze Zeit dabei und beobachtete das Geschehen. Ihr wurde alles erklärt, Fragen gestellt die sie beantworten musste und ich lag da wie ein kleines Versuchskaninchen.

„Ich weiß, dass sie das alles schon wissen Frau Sommerfeld, meine Kollegin aber leider noch nicht.“ Alles klar dachte ich, weiter geht’s. „Ich habe ziemlich Bauchschmerzen seit mehreren Wochen. Kommt das vom Tamoxifen (das ist die Antihormontherapie die ich für 10 Jahre machen soll und jeden Tag eine Tablette nehme die mich künstlich in die Wechseljahre versetzt) ?“ „Das sollte nicht davon kommen, hat Ihre Gynäkologin Sie nicht schon mal untersucht?“ meinte die Onkologin. „Ich war dort aber die gaben mir einen Termin in 4Wochen…genau so wie damals als ich den Knoten in der Brust spürte. Da musste ich auch erst 4 Wochen auf einen Termin warten, obwohl ich es am Telefon anmerkte.

„Das geht so nicht!“ rief die Ärztin verärgert auf. „Oben anziehen, unten freimachen, auf den Stuhl bitte!“ Gesagt, getan. Die Ärztin und ihre Kollegin untersuchten mich von oben bis unten, alles wurde genauestens inspiziert. War schon komisch auf dem Stuhl zu liegen, Beine breit und dann guckten einem noch 2 Damen da unten durch ein Guckloch rein. Alles weitere guckten sie sich auf dem Monitor an. „Es ist nichts  zu sehen, keine Zyste, keine Metastasen.“ Dann drückte die Onkologin auf meinem Bauch herum, und da tat es wieder weh. Auf beiden Seiten bei meinen Hüftknochen. „Alles klar, anziehen, wir machen noch mehr Tests.“ Und wieder ging es ins Wartezimmer. Dann ins Labor, Blut abnehmen. Beim Rausziehen der Nadel spritzte mein Blut nur so vor sich hin. Die Farbe meines Blutes sah jedoch bildhübsch aus, ein richtig schönes vollmundiges Rot. Zum Eierfärben sicherlich auch gut zu benutzen.

Und dann platze die Bombe, ich wusste gar nicht wie mir war. „Wir müssen noch Ihre Temperatur messen, rektal,“ meinte die Arzthelferin. „BITTE???“ Das letzte Mal als ich ein Fieberthermometer im Po hatte war vor sicherlich mehr als 25 Jahren. Oh neee, dachte ich nur, jetzt muss die auch noch an meinen Allerwertesten, jemand fremdes, wie unangenehm. „Wir gehen extra in ein anderes Zimmer, auf de Liege legen Sie sich seitlich und dann kann es auch schon losgehen“, erklärte sie mir. Damit das Thermometer besser flutschte gab es noch eine ordentliche Portion Gleitgel auf die Spitze und rein damit.

Dann ging sie raus und schloss die Tür hinter sich. Ich fühlte mich total ausgeliefert. Was, wenn jetzt jemand reinkommen würde? Die Hose halb runtergelassen, der Po zur Tür gerichtet. Ohjeminee! Dann endlich die Erlösung. Die Schwester kam zurück, entnahm mir das Fieberthermometer und schrieb 36,4 Grad auf. Ich frierte und war froh, mich wieder anziehen zu können. Dann nochmal ns Wartezimmer. Mittlerweile war ich schon seit mehr als 2 Stunden dort. Dann durfte ich wieder ins Besprechungszimmer. „Es sieht aus als wäre es Ihr Blinddarm der gereizt ist. Sie können Ihnen kühlen. Zu einem Chirurgen kann ich Sie nicht überweisen, da noch nichts akut ist. Sollte es akut sein, sofort in die Notaufnahme. Die Entzündungswerte kläre ich in einem Labor ab. Rufen sie morgen bitte dafür an“, und somit verabschiedete die Ärztin mich.

Und weiter ging es zum nächsten Arzt, zu einer Augenärztin. Ich war das erste Mal hier und ganz ehrlich, es fühlte sich grauenhaft an hier zu sein. „Kassenpatient? Was wollen Sie?“ Die Privatpatienten kamen natürlich vor mir dran, die Augenärztin gab mir das zu verstehen. Insgesamt war diese Frau Doktor Gramer eine unangenehme Person. Ihr war es egal, ob sie zum Patienten unfreundlich war. Ich wartete eine Stunde, machte sämtliche Untersuchungen mit und dann wurden mir noch Tropfen ins Auge gespritzt, damit die Ärztin besser in meine Linse gucken konnte. Danach sah ich nix mehr, ich war halb blind. Alles war verschwommen.

„Sind Sie mit dem Auto hier? Tja fahren können Sie heute nicht mehr.“ Und wie soll ich dann nach Hause kommen so ganz ohne Transportmittel? fragte ich mich. Ich konnte nicht mal meine Nachrichten auf dem Handy sehen geschweige denn die Tasten erkennen. Auf gut Glück schrieb ich ein paar Nachrichten, mit dem Autotext Erkennungsprogramm hoffte ich einen halbwegs passablen Text zusammen schustern zu können. Und dann ging es rein zur Ärztin. Kein Hallo oder sonst was.

Sie drückte mich auf den Stuhl, knallte mir ein Gerät vors Gesicht, zog es wieder zurück und schaute mir dann mit einer Lupe direkt vor meinem Gesicht in die Augen. Ihre grauen Haaren fielen dabei in meine Augen, war ihr aber egal. „Augendruck messen?“ fragte sie. „Ich wusste nicht, dass es etwas kostet und Karten nehmen Sie nicht“, antwortete ich. „Ach meine Arzthelferinnen haben Ihnen das sicherlich am Telefon gesagt, ich diskutiere hier gar nicht rum. Das war’s! Wenn’s sein muss, kommen Sie in einem halben Jahr wieder!“ Ich war auf 180, ich war so was von wütend! Da gehe ich nie wieder hin. Als ich im Auto saß fiel mir auf, dass ich gar nix sehen konnte. Meine Pupillen waren so weit aufgerissen von den Tropfen, dass die Sonne direkt hineinstrahlen konnte und ich absolut keinen Schimmer hatte, ob ich nach Hause komme oder nicht.

Meine Augen waren trotz des Tamoxifens noch in Ordnung. Es trägt dazu bei, dass sich die Augen verschlechtern. Als junge Krebspatientin werde ich oft nicht wirklich ernst genommen, denn wer geht schon davon aus, dass man in meinem Alter Krebs bekommt. Und seitdem die Haare wieder wachsen ist es mir auch nicht mehr anzusehen. Für die Ärzte bin ich ein Versuchskaninchen, eine Nummer, ein Kassenpatient mit dem mehr oder weniger Geld gemacht wird. Ich bin von den Ärzten abhängig und das lassen sie mich oft genug spüren. Bis auf ein nächstes Mal wo es wieder heißt „warten warten warten…“


doctor doctor can't you see I' burning burning Every 3 months I need a complete check up of my body. That was the deal. Since my breast operation last October I didn’t have one at all. When I went for my appointment on Thursday the doctor’s assistant looked at me funny: „Are you sure you have an appointment today?“ I didn’t know what to say because it’s always like that. „YES, at 9.45 am, I even put it in my phone’s diary.

I was able to stay and sat down in the waiting room. Like every time I had to wait now. Waiting to be the next one, waiting for my results, waiting, waiting, waiting. It’s been like that for more than one year now. 2 hours at the oncologist, at the University’s hospital 3 hours and on the day of my therapy discussion I was waiting for more than 6 hours.

First they measured my weight: 51kg. Then my blood pressure: 121 to 74, which was alright for me because normally I have a really low blood pressure something like 80 to 50. Once a doctor asked me if I was still asleep and dreaming because the blood pressure was so low. Of course, I am still dreaming and that since March 2014. I dream I had breast cancer but somehow this dream won’t stop. It’s a nightmare that I wake up from every day but a nightmare that doesn’t seem to have an end.

After the first check up I went back to the waiting room, waiting. Then finally: „Miss Sommerfeld. Please take off your tops!“ I did that immediately. There wasn’t even much to take off with this little boob on the left. The ultrasound didn’t show anything, no metastases. Oh dear! The oncologist rolled the ultrasonic device an estimated 1000x over my left little boob, then down to my guts and organs and then back to my right side where my right boob used to be. A medicine student followed the examination the whole time. Everything was explained to her, she was asked questions she had to answer and was there feeling like a little guinea pig.

„I know that you already know everything Miss Sommerfeld but my colleague won’t.“ Ok I thought, keep on going. „I’ve been having really bad stomach aches for the past weeks. Is it a side effect from Tamoxifen ( that’s the anti hormone therapy which puts me into menopause for the next 10 years and where I have to take one tablet every day.) ?“ „No you shouldn’t have these bad side effects. Did you get checked by your gynecologist?“ my oncologist asked me. „Well I asked them for an appointment which will be in about 4 weeks. It was the same when I felt the knot in my right boob. It always takes such a long time even though I mentioned it.“

„That’s not possible“ she said angry. „Put your top on, take your bottoms off and get on the chair, please!“ And so I did. The doctor and her colleague examined me totally. It felt funny being on that chair with spread legs and 2 women looking into me with a magnifier. The rest was seen on the screen. „I can’t see anything, no cysts, no metastases.“ Then she pressed on my belly, up and down, and then it hurt again. On both sides where my hip bones are. „OK we ill do some more tests.“ And again I had to wait in the waiting room. Then I had to go to the laboratory for a blood test. When the assistant pulled out the needle my blood was everywhere. The colour of my blood was so beautiful, such a lovely red. I could have used it for colouring my Easter eggs.

And then I almost fell off the chair because I didn’t know what to say. „We have to measure your temperature rectally“, the assistant told me. WHAT??? The last time I had something in my little bum was about 25 years ago. Oh no, I thought, and now a total stranger had to put this thing into my bum, how embarrassing. „We will go to another room, you will lay down and then we’ll start“, she explained. To make it easier she put some gel on top of the thermometer and pushed it into my little bum.

No way. this can’t be real., I thought.

Then she left the room and I felt like a pig on a plate. What if someome was coming inside now with my pants down and my bum looking at the door? Oh no! But then she released me. The assistant came back, took the thermometers and wrote down 36,4 degrees. I was freezing. I was so happy that I was able to put on my clothes again. Then back into the waiting room where I already had been waiting for 2 hours. Finally the doctor called me into her room. „It looks like an appendicitis. You should cool it a bit. If it gets worse you will have to go to hospital. I will check your inflammation level with our laboratory. Please give us a call tomorrow.“

After that I had to see an ophthalmologist. It was the first time I went to see her and to be honest it felt awful being there. „Are you a National Health service patient? What do you want here?“ Private patients were treated better than me and even though they were behind me the doctor called them in before me. Doctor Gramer was an awful doctor, she was rude and really unfriendly. She didn’t care about her patients. I waited for one hour, took part in some examinations and then they splashed some drops into my eyes that I could barely see anything after that.

„Are you here by car? well you will not be able to drive after that.“ So how the hell should I be able to go home without any transportation? I asked myself. I couldn’t even see the messages on my phone so I tried to text something and luckily the auto correct helped me this time to contact someone. Finally the doctor called me. She didn’t even say hello or anything.

She pushed onto that chair, threw a machine in front of my face, pulled it back and then looked into my eyes with a magnifying glass. Her grey hair fell into my eyes but she didn’t care. „Measuring the eye pressure?“ she asked. “ I didn’t know that I had to pay for it. I have no cash with me and you don’t take cards,“ I replied. „My assistants have surely told you about it on the phone when they made the appoinment with you.  I won’t discuss with now. That’s it! If you really have to then come back in half a year.“ I was so mad at her, she was so rude to me I almost exploded! I will never ever go there again. What a bloody dump that was. and totally slammed the door behind me. When I got into my car I realised that I couldn’t really see. My pupils were so wide because of them drops that the sun was shining into them. I didn’t have a clue if I was able to make it home or not.

My eyes where still alright despite the fact that I was taking Tamoxifen. Somehow the medication can worsen the eyesight. As a young cancer patient I haven’t been taken for serious a lot of times. Who thinks that young people can get cancer? And since my hair is growing again you can’t even tell I had cancer. A lot of times I feel that I am a guinea pig for the doctors, a number, a public health patient with who they can somehow make money. I depend on the doctors and they let me feel that very often. Until the next time where I will be waiting waiting waiting again.

 

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4 Antworten zu “Im Ärzteparadies / Doctor’s Paradise

  1. ich kann es insoweit nachfühlen, dass ich das Warten beim Arzt und auch manche Kommentare bei den Angestellten verabscheue! Ich wünsche Dir viel Kraft und auch Mut auszudrücken, dass manch einer merkt, was sie mit ihrem Verhalten bei Dir bewirken. Mach Dich stark und sprich es an, vielleicht ändert sich der ein oder andere für Dich zumindest in diesem Moment….. Alles Gute

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