BANG BOOM BANG

stanzbiopsienadelVor genau einem Jahr hatte ich meinen Termin zur Brustuntersuchung im Brustzentrum. Als meine Frauenärztin meinte ich müsse zur weiteren Untersuchung ins Brustzentrum, wusste ich schon, dass nichts gutes kommen wird.

 

Damals regnete es, heute scheint die Sonne. Damals weinte ich, heute lache ich. Damals hatte ich Angst, heute bin total gelassen.

„Bitte einmal oben freimachen, wir machen jetzt eine Stanzbiopsie. Wir entnehmen Ihnen Gewebe und schicken es dann ein. Es wird nicht wehtun, wir betäuben es örtlich.“ Und schwuppdiwupp stach eine sehr dünne lange Nadel in meine rechte Brust. Dann brannte es ein wenig, das Betäubungsmittel bahnte sich seinen Weg durch die Brust. Daraufhin nahm die Ärztin ein anderes grünes Gerät in die Hand. Es sah aus wie ein riesengroßes Legobauteil mit einer langen dicken Nadel vorne dran.

Bis jetzt kann ich es nicht glauben, dass die Ärztin dieses Teil einfach in meine Brust in Richtung des Tumors schob. Auf dem Monitor schaute sie sich die Lage der Nadel an und sagte „Wenn ich etwas Gewebe entnehme, drücke ich den Knopf auf dem grünen Gerät und es wird einen lauten Knall geben, das war’s aber auch schon.“ ‚PENG‘ machte es und das Teil schoss in meine Brust. Ich wusste nicht wie mir zumute war. Das war heftig, total laut und dann schmerzte es ungemein. Fertig, dachte ich, Pustekuchen, sie musste noch mal  in meiner Brust Gewebe entnehmen. Sie hatte die Stelle noch nicht richtig getroffen. ‚PENG‘ machte es wieder. Es fühlte sich an als würde mir jemand mit einem riesengroßen Metallhammer auf die Brust hauen. „Oh immer noch nix“, meinte die Ärztin wieder und knallte noch mal los. Ganz ehrlich, ich hätte der guten Frau eine reinhauen können. Ich hielt die Tränen zurück so gut es ging.

„Und war es schlimm?“ fragte sie mich. „Ganz ehrlich? Ich hatte vorher megastarke Kopfschmerzen. Die sind jetzt weg durch den Schmerz den ich jetzt habe, also wenigstens etwas gutes hatte es“, und dabei lachte ich noch. „Bleiben Sie ruhig noch liegen,“ und drückte dabei auf meine offene Wunde auf der Brust. Das Blut lief und lief. Aber nein ich wollte hier so schnell wie möglich raus. „Ok wir geben Ihnen in 2-3 Tagen bescheid, ich denke aber nicht, dass es was ernstes ist.“

Ich rannte aus dem Zimmer, durch 2 Glastüren, raus zum Nebenausgang und fing bitterlich an zu weinen. Meine Brust schmerzte wie verrückt, ein Pflaster bedeckte fast meinen ganzen Mops. Schnell zum Auto rüber, denn es regnete. Dort angekommen fiel mir der Schlüssel zu Boden. Es regnete in Strömen, der Himmel war grau, und ich sackte zu Boden, weinte und schluchzte. Ich zitterte am ganzen Körper so sehr, dass ich nicht mal mehr den Schlüssel ins Schloss stecken konnte. Der Regen prasselte auf mich ein. Meine Haare und mein Gesicht waren ganz nass. So konnte wenigstens keiner erkennen, dass ich weinte.

Irgendwann schaffte ich es ins Auto, aber aufhören mit weinen konnte ich nicht. Ich rief meine Mutter an, schluchzte immer mehr und hatte Angst. Da saß ich im Auto, ganz allein auf dem großen Parkplatz. Als ich versuchte meinen Freund anzurufen war er auf irgendeiner Baustelle beschäftigt und nahm nicht ab. Also versuchte ich es bei seiner Mutter. Die redete mir gut zu, meinte es werde alles gut werden, es war nur eine Routine Untersuchung. Dass ich zu diesem Zeitpunkt den Krebs mehr als ein Jahr in mir trug war keinem bewusst.

Zuhause angekommen legte ich mich ins Bett. Das blöde Mascara war überall im Gesicht verschmiert. Ich starrte an die weiße Wand und drückte mir ein Kühlpack an meine rechte Brust. Das Pflaster war schon etwas dunkel eingefärbt durch das ganze Blut. Mein Mops tat immer noch weh, ziemlich doll sogar. Das hörte irgendwann nach ein paar Tagen auf. Währenddessen färbte er sich noch lila, blau, grün, gelb, bis meine echte Hautfarbe wieder durchschimmerte.

Diese blöde Stanzbiopsie hatte ich dann noch 2x. Jedoch sagte ich den Ärzten, dass sie mir bitte mehr Betäubungsmittel geben sollten. Dieser Schmerz war ja nicht auszuhalten. Ich wusste schon damals, dass nichts gutes bei rauskommen würde, bei dieser Untersuchung.

Im Frühling letzten Jahres bekam ich die Diagnose Brustkrebs und wurde krank. Jetzt ist wieder Frühling und ich bin hoffentlich wieder gesund, jedenfalls fühle ich mich so. Ein ganzes Jahr war ich zuhause und konnte die Jahreszeiten so intensiv wie noch nie miterleben. Ob ich den Krebs besiegt habe? Das weiß ich nicht. Das weiß keiner. Das kann ich erst am Ende meines Lebens sagen, sollte ich nicht an Krebs sterben.


Exactly one year ago I had an appointment for a breast examination in a breast care center. When my gynecologist told me that I had to go to a breast care center for another checkup I already knew that something was wrong.

Last year it was raining, today the sun is shining. Last year I was crying, today I’m smiling. Last year I was scared, now I’m calm and serene.

„Please take off your top and bra, we will make a biopsy now. We will try to get some tissue which will then be sent in for an examination. It won’t hurt, we will numb it locally.“ And she stabbed a really long needle into my boob. Then it burnt like hell as the narcotics made their way through my boob. The doctor swapped the needle with a green thing. It looked like a big lego piece with a massive needle on top of it. Until now I can’t believe that the doctor rammed this thing into my boob. She had a look at the position of the needle on the screen and said „I will push the button on that green thing so I can get some of your tissue. It will make a loud noise and that’s it.“ There was a big ‚BANG‘ and then it really hurt. I didn’t know what to think as it was that bad. I thought I was done but no she had to do it again because she didn’t get enough of the tissue. And again ‚BANG‘. It felt like someone beat me up with a metal hammer. „I still don’t have anything“ she said and banged again. To be honest, I really wished to beat her up at that moment. I tried to hold back the tears.

„Did it hurt?“ she asked me. „Do you really want to know?“ I asked her. „Before I used to have massive headaches but somehow they are gone now because the pain in my boob is worse, so you gotta see the positive things,“ and smiled. „Rest here for a while“, and pressed on my open wound on my boob. The blood didn’t stop coming. I couldn’t stay there, I just wanted to leave this room as soon as possible no matter what. „Alright, we’ll let you know in about 2 to 3 days, but I think there’s nothing to worry about.“

I ran out of the room, through 2 glass doors, out of the hospital through the side exit and started crying. My breast hurt so much, a plaster covered almost my whole boob. Quickly to the car because it was pouring down. The sky was grey and I fell onto the floor crying and sobbing. I was shaking that much that I couldn’t even open the door of the car. The rain patterned onto me. My hair and my face was soaking wet which was a good thing because no one could actually see that I was crying.

Somehow I made it to my car but I couldn’t stop crying. I called my mom, sobbed more and more and I was afraid. There I was, sitting in my car all alone at this big car park. I tried calling my boyfriend but he was busy at work and couldn’t answer the phone. So I tried calling his mom to get through to him. She tried to calm me down, trying to tell me that everything will be alright, that it was only a normal examination. The cancer though had already grown for more than one year in my body and no one knew.

When I got home I went straight to be. That mascara was all over my face but not on my lashes. I starred at the white wall and pressed a cooling pack onto my little boobie. The plaster was already a bit dark because of the blood that was coming through. My boob still hurt and that a lot. After a few days the pain got less. The colour of my boob turned from purple to blue to green to yellow until it went back to its normal skin colour.

I had to get through this bloody biopsy another 2x. But the other times I told the doctors to give me a higher dose of narcotics. This pain was terrible. At that time I already knew that something was wrong with me.

In spring last year I got diagnosed with breast cancer and got really sick. Now it’s spring again and I am hopefully healthy again, I fell like it though. I’ve been at home for one year now and could witness the seasons like I have never before. If I have defeated the cancer? I don’t know. No one knows. I can only say that at the end of my life, in case I won’t die because of cancer.

 

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