Alles was ich tue/ Everything I do

kerstinIm Radio läuft Brian Adams „Everything I do I do it for you“. Draußen schneit es. Ansonsten herrscht Stille. Immer wieder denke ich an sie, mein Seelenpartner, mein bessere Krebshälfte. Seit Montag weilt sie nicht mehr unter uns. Es ging alles ganz schnell. Der letzte Ärztebefund war mehr als 8 Seiten lang. Metastasen, überall, bis zu 5 cm groß. Ich frage mich heute noch wie so etwas übersehen werden konnte? Sie hatte doch öfters über Probleme geklagt. Rückenschmerzen, Bluthochdruck, schlechter Schlaf. Es wurde nicht ernst genommen, erst als es zu spät war. Im Krankenhaus angekommen sollte sie nochmal aufgepeppelt werden, um dem Krebs den Kampf anzusagen, doch nur wenige Stunden später schlief sie ein. Ich war zu in diesem Moment auf dem Feld laufen. Zu dem Zeitpunkt als sie starb kam die Sonne raus. Ich weiß es noch. Ich blickte zum Himmel auf, die Wolken schoben sich zur Seite und für einen kurzen Moment schien die Sonne.

Jetzt muss ich allein diesen Weg weitergehen. Und ich gehe ihn mit Kerstin in Gedanken weiter. Ich weiß noch wie ich sie kennenlernte. Gleich an meinem ersten Tag im Krankenhaus saß sie auf ihrem Bett, wühlte in ihrer Plastiktüte rum und ich dachte ’na die hat aber eine tolle Perücke bekommen, sieht man ihr gar nicht an, dass es eine ist‘. Zu dem Zeitpunkt waren das aber noch ihre echten Haare. 😀 Ihre Frisur war einfach perfekt.

Wir verstanden uns sofort und wussten genau, wir bleiben in Kontakt, wir schaffen das gemeinsam. Ich hatte sie in mein Herz geschlossen, sie war wie eine Mutter, eine Freundin, eine Schwester. Ich konnte mit ihr über alles reden, wirklich alles. Sogar die unangenehmsten Fragen stellten wir uns. Sie hatte ein Herz aus Gold, wollte niemandem etwas böses, war wohlwollend wie manch anderer es sich nur wünschen könnte so zu sein.Ich weiß noch genau wie sie reagierte, wenn ich ihr von meiner unmöglichen Familie erzählte die sich überhaupt nicht um mich kümmerte, obwohl sie hier um die Ecke wohnte. „WAS??? Das gibt’s doch gar nicht! Du gehst da nicht mehr hin!“ rief sie in den Hörer. Sie wollte immer nur das beste, für jeden. Selbst bis zur letzten Minute war es ihr unangenehm, dass sich ihre Familie um sie kümmerte. Sonst war sie diejenige, die sich um alles und jeden gekümmert hatte. Doch nun fühlte sie sich als Last.

Als ich sie im Krankenhaus fragte was sie nochmal gerne machen würde schaute sie traurig auf das Bild ihrer Familie und sagte: „Das einzige was ich mir wünsche ist mit meiner Familie zuhause glücklich zu sein, mehr will ich gar nicht und mehr brauche ich gar nicht, damit bin ich voll zufrieden.“ Wir lagen uns in den Armen und weinten, sie hielt mich ganz fest an sich gedrückt, sie hatte Angst. Oft fragte sie mich

Warum ich? Was habe ich falsch gemacht? Ich habe doch niemandem etwas getan?

Darauf konnte ich ihr nur diese Antwort geben: „Unsere Körper sind einfach nicht für diese Welt gemacht, alles ist vergiftet, der ganze Stress heutzutage, wir müssen so viel aushalten, und unsere Körper sind nicht dafür gemacht.“

Damals im Krankenhaus stand sie am Fenster und machte ihre Physioübungen und lachte herzlich, weil sie die Übungen einfach total übertrieben machte, wackelte mit dem Hintern, schmiss die Arme hoch und rief „Yippiee!“ Es war einfach total lustig mit ihr. Sie hörte mir immer zu wie eine Mutter, gab mir Ratschläge. Sie liebte ihre Familie über alles und gab mir zu verstehen, dass ich immer willkommen bei ihr sei, egal was sei. Ihre Familie ist auch wirklich wundervoll. Alle füreinander da, jeder herzlich auf seine Art. Vom ersten Tag an umarmten wir uns als kannten wir uns schon Jahre. Auch jetzt ist das noch so, auch wenn Kerstin nicht mehr da ist.

Am Dienstag fuhr ihr zu ihrer Familie. Es war ein trauriger Anlass und trotzdem war es schön dort zu sein. Ihre Schwester, ihre Tochter und ihr Mann waren da. Ihr Mann wirkte sehr gefasst, machte für uns Mädels etwas zu essen. Wir redeten über Geschehenes, konnten uns aber oft nicht in die Augen sehen, denn sonst hätte der andere wieder losgeweint. „Und wie verbleiben wir jetzt?“ fragte mich ihr Mann. „Wollen wir weiter in Kontakt bleiben?“ „Sehr gern, denn ihr wart immer wie eine Familie für mich die ich niemals hatte, und wenn es etwas gibt wobei ich euch helfen kann, dann meldet euch.“ So ging ich davon, umarmte jeden noch einmal, stieg in mein Auto. Die Tränen liefen und es war kein Ende in Sicht. Es schneite, der Himmel war bedeckt und ein wenig gräulich. Stille.

Es ist als würde ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Seit Montag gehe liege ich abends im Bett, starre die weiße Wand an, manchmal schaue ich durch die Dachfenster und blicke ins Nichts. ‚Kerstin‘ immer wieder sage ich ihren Namen in meinen Gedanken. Ich schweife vom Thema ab, weil ich an sie denken muss. Es gibt wahrlich wenig Menschen wie sie und ich bin froh, dass ich diesen letzten Teil ihres Lebens mit ihr gehen durfte.

Es sollte im Leben mehr um Liebe und Frieden als um Hass und Kriege gehen.

Der Krebs hat vielleicht ihren Körper aus dem Leben gerissen, doch ihre Liebenswürdigkeit, ihr Lachen, ihre positive Ausstrahlung sind nun noch mehr ein Teil von mir geworden. Wir 2 zusammen gegen den Rest des Krebses, wir schaffen das. Und wie Brian Adams so schön singt „Everything I do I do it for you“ (Alles was ich tue, ich tue es für dich).


The radio is playing and Brian Adams is singing „Everything I do I do it for you“. It’s snowing outside. It’s quiet. I keep thinking of her, my soulmate, my other better half. She passed away on Monday. Everything went really quick. The last clinical evidences contained more than 8 pages. Metastases, everywhere, up to a size of 5 cm. I keep asking myself how the doctors could leave this undetected. She even told them a lot of times about her problems. Back pains, high blood pressure, bad sleeps. But they didn’t take her for serious, only when it was too late. Her body was supposed to get established to be able to fight against the cancer again, but a few hours later she fell asleep for good. I was running at this moment of time. I still know it. I looked at the sky, the clouds were pushed to the sides a bit so the sun could come through for a little moment.

Now I have to walk this way on my own. But Kerstin will always be on my mind. I still remember how we first met. On my first day in hospital she sat there on her bed looking for something in her plastic bag and I just thought ‚wow she has a nice wig, you can’t even tell it’s a wig‘. At this moment of time it was still her real hair. Her hairdo was just perfect. We got on from the very first moment and we knew we will stay in touch, we will get through this together. I took her to my heart, she was like a mother, a friend, a sister. I could talk with her about everything, really everything. We even talked about awkward topics. She had a heart of gold, never intented to harm someone, she was so benevolent like other people should wish for to be like that. I still remember how she reacted when I told her about my screwed up family who doesn’t care about me even though they just live around the corner. „WHAT??? I can’t believe that! You won’t go there anymore!“ she shouted into the phone. She always wanted the best for everyone. Even until her very last minute she felt bad because her family was looking after.  Normally it would have been her who cared for the family. Now she felt like big load.

When I asked her in hospital if there was something she would like to do she looked very sad at the picture of her family and said :“ The only thing I wish for is to spend time with my family and be happy with them, I don’t want and I don’t need anything else, I’m totally satisfied with that.“  I embosomed her and we cried. She was holding me so tight, she was scared. A lot of times she asked me

Why me? What did I do wrong? I didn’t do any harm to anyone…

And I could only reply: „Our bodies were not made for this world full of toxics, all the stress and pressure nowadays. We have to suffer from so many things, our bodies were not made for that.“ Last year she stood next to the window in hospital and was exercising and was laughing from the bottom of her heart, because she exaggerated with doing her exercises, shaking her bum, throwing her arms up in the air and shouted „Yippie!“. It was so funny with her. She listened to me like a mother, gave me advice. She loved her family to bits and told me that I was always welcome at her house no matter what. Her family is wonderful. They are there for each other, very genuine and hearty. We gave each other cuddles from the first day on as if we knew each others for years. It’s still ike that now even though Kerstin is not there anymore.

I went to her family’s house on Tuesday. It was for a sad occasion but still it felt so nice to be there. Her sister, her daughter and her husband were there. Her husband seemed very calm and made us girls something to eat. We talked about the things that have happened, and a lot of times we couldn’t look into each others eyes otherwise one of us would have started crying. „So how will we go on?“ asked me her husband. „Shall we keep in touch?“ „I would love to“ I said“ You were always like a family to me that I never had and if you ever need anything don’t hesitate to call me.“ And so I left, gave everyone a cuddle and went to my car. The tears kept coming and were flowing like a river. It was snowing, the sky was cloudy and a bit grey. Silence.

It feels like as if a new chapter of life would start now. Since Monday I’m in my bed at night starring at the white wall, sometimes looking through the roof windows, starring into nothing. I keep saying ‚Kerstin‘ in my mind. I get lost because I keep thinking of her. There are not many people like her in this world and I am so glad that I could share the last chapter of her life with her.

Life should be more about love and peace than about hate and war.

The cancer may have taken her body out of this life but her kindness, her positive charisma and her smile has become even more a part of me now. Us 2 against the rest of that bloody cancer, we will make it! And as Brian Adams sings „Everything I do I do it for you“.

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