Ich habe Krebs, mit 31…

„Ich habe leider schlechte Nachrichten für Sie. Das was Sie gefühlt haben ist ein Tumor“, sagte die Ärztin am anderen Ende des Telefonhörers. Eine Welt brach zusammen. Mein Körper wurde warm, fing überall an zu kribbeln und ich wusste nicht was nun auf mich zukommen würde. „Am Mittwoch haben Sie das Vorgespräch im Krankenhaus, da müssen wir schauen ob Chemo oder nicht…“ Chemo? Das konnte nur bedeuten, dass ich todkrank sei, dachte ich mir. Ich hatte Angst, einfach nur Angst.
Vor genau drei Wochen bekam ich diese Nachricht. Seitdem hat sich viel in meinem Leben geändert. Eigentlich hat sich alles geändert. Ich gehe nicht mehr arbeiten, weil ich irgendwie jeden Tag zu einem Arzt muss, der Voruntersuchungen machen muss. Oder 4Tage im Krankenhaus war, damit dieser Portkatheter für die Chemo eingebaut werden musste. Dabei wurde auch gleich der Lymphknoten entnommen, um zu schauen, ob die Krebszellen schon weiter gewandert sind.
Da die Haare ausgehen werden während der Chemo habe ich mich auch schon um eine Perücke gekümmert. Oh man das fühlte sich so komisch an. Ich kam in einen kleinen Raum gefüllt mit Perücken, Tüchern, Haarbändern, unechten Wimpern und aufmalbaren Augenbrauen. Da ich mir gerade die Haare habe langwachsen lassen fällt mir dieser Schritt besonders schwer. So lange sie aber noch nicht ausfallen lasse ich sie auf meinem Kopf. Erst wenn der erste Büschel ausfällt gehe ich wieder dorthin, rasiere mir die Haare ab und dann kann die Perücke wieder angepasst werden.
Gestern war dann die erste Chemo dran. Um ehrlich zu sein war das wohl der einfachste Part während der ganzen Chemo Therapie. Du kommst in einen Raum mit 3Sesseln die individuell einstellbar sind für Füße und Rücken. Du wirst betüddelt mit Tee, Kaffee und Wasser und ständig redet eine liebe Schwester mit dir über Gott und die Welt. Als wäre es eine jahrelange Freundin.
Das war im Krankenhaus schon so. Krebspatienten werden dort anders behandelt. Die Schwestern werden darum gebeten, mit den Patienten zu reden, ihnen Mut zuzusprechen, für sie da zu sein.
Nach der Chemo ging ich nach Hause, legte mich hin und ruhte mich einfach nur aus. Irgendwann kam die Übelkeit, und dann kam das erste Mal Erbrechen. Auch wenn ich Tabletten gegen die Übelkeit bekommen habe, so wirkte die 2. schon nicht mehr. Gegen 8Uhr abends konnte ich dann nicht mehr. Ich ging raus, machte die Musik an und fuhr mit meinem Freund zu REWE und kaufte Zwiback sowie tausende Sorten von Tees ein und Kaugummis von Wrigleys Juicy Fruit. Irgendwie half mir dieses Kaugummi kauen sehr. Zuhause angekommen verschlang ich das Zwiback nur so in mich hinein. Und behielt es auch in mir.
Mein Freund ist immer da, seit der ersten Minute. Bei jeder Untersuchung oder Gespräch nimmt er sich Zeit für mich. Das hilft mir sehr, gerade weil meine Mutter nicht hier bei mir wohnt. 
Auch wenn diese Zeit eine schwere Zeit ist, so zeigt sie mir jeden Tag, welchen Menschen wirklich für mich da sind und sich für mich als Freundin interessieren. Klar kann nicht jeder immer bei dir sein, aber ein paar liebe Worte, Anrufe, Briefe oder aufmunternde Worte machen diese Zeit erträglicher. Und es zeigt mir jedes Mal, dass ich nicht aufgeben kann, da es schon so viele Menschen um mich herum gibt, die an mich glauben.
Der erste Schritt ist geschafft, die Chemo hat begonnen. Für die nächsten 24 Wochen wird dies mein Leben sein. Dach kommt die OP, wenn sich der Tumor verkleinert hat, dann Strahlentherapie, dann Hormontherapie. Warum die Hormontherapie? Auf meinem Brusttumor befinden sich Rezeptoren die sich Hormone zum Wachsen greifen. Durch die Hormontherapie oder auch künstlich eingestellten Wechseljahre werden meinem Körper die Hormone entzogen, so dass die Krebszellen keine Chance haben zu wachsen.
Mal sehen was der heutige Tag so bringt. Übel ist mir auch schon wieder….

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